St. Martin – Laternenzeit

Martini / Laternenumzug

Feste sind »Knotenpunkte des Jahres, die uns verknüpfen mit dem Geist des Alls«
(Rudolf Steiner)

Wir gehen mit den Kindern in bunten Reigen von Fest zu Fest. Es sind die Jahreszeiten, die unseren Jahresgang bestimmen. Und die christlichen Jahresfeste, die wiederum an das kosmische Geschehen angeschlossen sind. Die Kinder sind diesem Geschehen noch ganz nah und sie feiern gerne Feste. Wichtig in der Gestaltung eines Festes ist seine spirituelle Substanz: Der innere Sinn der Feste (also die Hintergründe, die Symbole, Lieder, Bilder). Die Feste ermöglichen uns den ganzjährigen Dialog mit dem Kosmischen. In diesem Rhythmus schwingen wir durchs Jahr. Das bestimmt unser Tun im Waldorfkindergarten.

Wer war der St. Martin?

Folgende Legende liegt unserem St. Martinsfest zugrunde:
Der heilige Martin von Tours wurde um 316/317 in Steinamager geboren. Es entsprach der damaligen Tradition, dass Martin als Sohn eines Offiziers ebenfalls Soldat wurde. Er trat im Alter von 15 Jahren bei einer römischen Reiterabteilung in Gallien ein.
Im Jahr 334 war Martin als Gardeoffizier in Amiens (Frankreich) stationiert. An einem kalten Winterabend ritt Martin auf die Stadt zu. Da begegnete ihm ein Bettler, nur spärlich mit Lumpen bekleidet. Der Mann zitterte vor Kälte. Martin zögerte nicht lange; er zog sein Schwert und schnitt damit den weiten Soldatenmantel entzwei. Dann reichte er die eine Hälfte den Bettler und ritt davon. In der folgenden Nacht erschien ihm im Traum Christus, mit dem halben Mantel bekleidet, den er den Bettler gegeben hatte. Dieser Traum beeindruckte Martin so sehr, dass er sich taufen ließ.
Im Jahre 356 quittierte Martin seinen Dienst beim Kaiser, wurde Missionar und später zum Priester geweiht. Er führte ein frommes Büßerleben und wurde das Volk wählte ihn zum  Bischof von Tours. In seiner Bescheidenheit und aus Angst vor der hohen Verantwortung, so erzählt die Legende, wollte er dieser Würde entgehen und versteckte sich in einem Gänsestall. Die Gänse aber schnatterten so laut, dass Martin doch entdeckt wurde. Daraus ist der Brauch der Martinsgans entstanden: Als „Strafe“ werden daher an seinem Gedenktag Gänse verspeist.

„Martin, Martin leuchte uns voran, damit jeder von uns den Weg in den Himmel finden kann.“


www. waldorf -ideen-pool.de / Tafelbild

Die Laternenzeit bei uns – wie bereiten wir St. Martinfest vor?

Die Vorbereitung mit den Kindern: Am 11. November ist Sankt Martin. Ein Feiertag, der eine Einstimmung und „lichtvolle“ Vorbereitung braucht.
Wir erzählen schon einige Tage vorher im Abschlusskreis von Sankt Martin. Auch ein schönes Bilderbuch, das die Schuster – Martin Geschichte erzählt, wird den Kindern als Einstimmung vorgelesen. Die Martinslieder singen wir jeden Tag, und wir gehen mit den Kindern „Probelaterne“. Wir sitzen im Stuhlkreis. In der Mitte (auf einem kleinen Hocker) steht die Laterne. Während wir singen, trägt ein Kind die Laterne im Kreis (die Laterne wird immer im Wechsel von Kind zu Kind weiter gereicht). Mit einem erfüllten Herzen tragen die Kinder ihr Lichtlein im Kreis. Es ist wichtig, dass wir Erzieher so viel wie möglich mit den Kindern singen. Wie es ja auch im Sankt Martinslied heißt: „Wie schön das klingt, wenn jeder singt“. Unser Tun und unsere Lieder stimmen mit der äußeren Situation der Natur überein:

„Wenns Sonnenlicht verschwindet
wird’s Lämplein angezündet.
Mein Licht durchdringt die dunkle Nacht“

Mit erfülltem Herzen tragen die Kinder ihr Lichtlein im Kreis. Es findet so den Weg nach Hause und in die Adventszeit.

Zusammen mit den Kindern basteln wir Laternen. Langsam vermehren sie sich leuchtend warm im Gruppenraum. Jedes Jahr werden zu Sankt Martin die gleichen Laternen gebastelt. Alle Jahre wieder zu St. Martin tuschen die Kinder; und keine Laterne gleicht der Anderen. Sie haben eine „kristalline“ Form (entnommen dem Innenleben der Edelsteine). In unserem Waldorfkindergarten leuchten stets echte Kerzen in den Laternen. Es ist echtes Feuer und die Kinder gehen achtsam mit den Laternen und dem Feuer um.

Auf dem Jahreszeitentisch wandeln sich die Farben ins Dunklere. Bei uns sind es Hellviolett – Dunkelorange und Erdtöne. Schöne Blätter, große Kristalle, Zwerg und Laterne sind auf dem Tisch zu sehen. Im Laufe der Woche kommt St. Martinsbild dazu.

Im Gruppenraum sind an manchen Stellen große bunt beklebte Gläser aufgestellt, die die Kinder gerne schmücken. Unsere Kinder werden mit „Kerzenlicht“ empfangen. Die Fenster erzählen vom Licht: denn die Transparentbilder lassen die Kinder aufs Schönste das Licht erleben.

Zum St. Martinsfest und seinem Laternenumzug in unserem Kindergarten:
Wenn es dunkelt (gegen 17:00 Uhr), ziehen wir vom Kindergarten mit Laternen und Liedern in die Siedlung, zu kleinen Wiesen. Die Laternen werden den Kindern im Gruppenraum ausgegeben, nachdem die Martinslegende erzählt worden ist. Beim Laufen werden viele Lieder gesungen. An drei kleinen Stationen halten wir an: Der Zwergen-Reigen wird getanzt, Eltern stehen Spalier (ein Elterntorbogen durch den die Kinder „hindurch“ laufen). Auch im Spielgarten leuchten viele Lichter. Die Kinder erleben einen lichten Garten in der Dunkelheit.
Licht in der Laterne symbolisiert das eigene innere Licht, das dem äußeren Dunkel entgegengesetzt wird. Dieses Licht gibt uns Kraft, in der dunkler werdenden Zeit zu bestehen. Das Bild des leuchtenden Sterns, den wir in unser Herz einschließen, begegnet den Kindern immer wieder im Kindergarten.
„Hoch oben leuchten die Sterne, hier unten leuchten wir“
Danach wandern wir alle wieder singend zum Ausgangspunkt zurück. Zum Abschluss stärken sich die Kinder nach dem langen Laternenumzug: Die Martinsbrote werden verteilt. Sie werden mit den Eltern und Geschwistern geteilt.
Mit dem Lied „Der Mond ist aufgegangen“ findet unser Laternenumzug seinen ruhigen Abschluss.


Bei uns hat sich stark der amerikanische Halloween ausgebreitet. Wir möchten den St. Martin – Tag stärker und „lichter“ machen, und das Fest in rechter Weise gestalten.

Fingerspiel „Martin reitet durch die Stadt“

Martin reitet durch die Stadt   (rechter Daumen hoch)
Ein Bettler keine Kleidung hat   (linker Daumen hoch)
Den Mantel teilt St. Martin schnell   (beide Hände flach neben einander – auseinander ziehen)
Den Bettler damit wärmen will   (linker Daumen verschwindet in der Hand)
Auch wir wollen wie Martin sein   (mit beiden Händen eine Schale formen)
Und Freude schenken – das ist fein   (mit beiden Händen eine austeilende Bewegung machen)


Süße Martinsbrote

Zutaten für 12 Portionen

• 500 g Mehl
• 1 Würfel Hefe
• 150 ml Milch
• 75 g Zucker
• 150 g Sauerrahm oder Naturjoghurt
• 75 g weiche Butter
• 1 TL Butter
• 2 EL Milch
• Zucker oder Hagelzucker zum Bestreuen

Zubereitung:
Für den Teig Mehl in eine Schüssel geben. In die Mitte eine Mulde drücken. Die Hefe hineinbröckeln und mit Zucker, etwas Mehl vom Rand und der Milch zu einem Vorteig verrühren. Zugedeckt an einem warmen Ort 15 Minuten gehen lassen.
Joghurt, Salz und Butter zugeben und zu einem geschmeidigen Hefeteig kneten. Den Teig schlagen, bis er sich vom Schüsselrand löst und Blasen wirft. Zugedeckt nochmals 30 Minuten gehen lassen.
Mit bemehlten Händen aus dem Teig zunächst Rollen und dann Brote formen und auf ein Blech mit Backpapier legen. Butter mit Milch erwärmen, glatt rühren und die Brote damit bestreichen. Evtl. mit Zucker oder Hagelzucker bestreuen.
Im vorgeheizten Backofen werden die Brote bei 200°C hellbraun gebacken.

Es dunkelt schon, der Wind, der weht
kein Sternlein an dem Himmel steht.
Sankt Martin, leuchte du voran,
dass deiner Spur ich folgen kann.

Sankt Martin, leuchte du voran,
dass deiner Spur ich folgen kann.
Mit der Laterne leuchte vor
und führ uns an das goldne Tor.
Von M. Graff

Liebe Grüsse Aleksandra S. Muszer

St. Martinsfest – Bewusstseinsinspiration

„Was ist anders in der Waldorfpädagogik? Wie arbeitet ihr eigentlich?„
Immer wider die gleichen Fragen. Das Äußere lässt sich sehr leicht feststellen: Die Ästhetik der Räume, die Spielsachen, der Jahreszeitentisch und Anderes. Uns Waldorfpädagogen macht jedoch etwas sehr Entscheidendes aus: Das Bewusstsein und Wissen um die geisteswissenschaftlichen Hintergründe. Hier fängt es an!

Herrn Fabrizio Venturini bin ich im Rahmen seiner Tutorenarbeit von Anerkennungs-Praktikantinnen in der Stuttgarter Fachschule für Waldorferzieher begegnet. Sofern ist es schön, dass die von ihm geschriebene Ausarbeitung zum St. Martinsfest mich inspiriert hat. Vielen Dank!

„Das transparent ummantelte Ich“
Von Fabrizio Venturini, November 2012

Wenn es im Herbst früh dunkel zu werden beginnt, dann sieht und hört man sie wieder: Kinder, die mit ihren Laternen singend durch die Straßen ziehen. Oft erklingt in ihren Liedern die Geschichte von Sankt Martin, besonders in Süddeutschland. Das eigene Tragen der Laterne in der Gruppe ist aber das Wichtigste.
In katholischen Gegenden steht der auf einem Schimmel einherreitende Heilige mit seinem roten Mantel im Mittelpunkt. Dort spielen vielerorts Laiendarsteller seine legendäre Tat nach und verteilen im Anschluss daran das Martinsbrot, das jeder, der es bekommt, mit dem Nächsten teilt. Das christliche Vorbild dominiert, das Lichtmotiv ist untergeordnet. Umgekehrt im protestantischen Norden. In Worpswede gibt es von Paula Modersohn-Becker viele Kinder-Laternenumzugs-Gemälde, die einen sofort in die Novemberstimmung versetzen. Nebelbänke durchziehen das Land und unheilvolle Gestalten verbergen sich dahinter, aber die fröhliche Kinderschar hellt zumindest in nächster Nähe die Umgebung und das Gemüt des Betrachters auf. Sankt-Martins-Bilder dagegen hat Modersohn-Becker nie gemalt.

Was steckt hinter dem Brauchtum?
So stellt sich die Frage: Was haben die Motive von Sankt Martin und der Laterne miteinander zu tun? Haben sich hier lediglich zwei verschiedene Traditionen einander genähert oder gibt es eine geistige Verbindung zwischen beiden? Was steckt hinter diesem Brauchtum? In welcher Weise lässt es sich heute gestalten? Ist es nicht veraltet? Was ist der Sinn oder das pädagogische Ziel dabei? Wären die Zeitverhältnisse nicht finster, dann bräuchte es keine Erhellung. Wäre das Ich im kalten Wind des Unsozialen in der Welt nicht gefährdet, dann bräuchte es keine schützende Hülle. Daraus ergibt sich sofort die anhaltende Aktualität.

Am Materiell-Äußerlichen wird symbolisch eine innere Haltung geübt. Wer als Kind eine Laterne vor sich her trägt, bereitet sich vor, auch innerlich ein Lichtträger zu sein. Wer als Kind an einem Vorbild erlebt hat, dass es durch eigenen freien Entschluss möglich ist, einem Bedürftigen zu helfen, der entschließt sich vielleicht, tätig barmherzig zu sein und nicht bloß davon zu reden.

Erfassen die Kinder, die singen »Dort oben leuchten die Sterne und unten, da leuchten wir« nicht den tiefsten Sinn unseres Menschseins, Licht in die Finsternis zu bringen? Der Mensch als ein »Licht-Träger«, wie Nietzsche es in seinem Gedicht »Ecce Homo« formuliert hat:

»Ja! Ich weiß woher ich stamme!
Ungesättigt gleich der Flamme,
Glühe und verzehr’ ich mich.
Licht wird alles, was ich fasse,
Kohle alles, was ich lasse,
Flamme bin ich sicherlich! «

Mit Schiller könnte man sagen: Das »Erden-Ich« (Kind) trägt sein »geistiges Ich« (Flamme) vor sich her. »Jeder individuelle Mensch, kann man sagen, trägt, der Anlage und Bestimmung nach, einen reinen, idealistischen Menschen in sich, mit dessen unveränderlicher Einheit in allen seinen Abwechslungen übereinzustimmen die große Aufgabe seines Daseins ist« (Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen).

So kann das einfache Kinderlied: »Ich geh mit meiner Laterne / und meine Laterne mit mir« – zum Lebensmotto werden: Man trägt das Ziel, dem man folgen will, selbstgesetzt vor sich her! Das Laternenlicht wird zum Bild für den inneren Leitstern. Es ist berührend, die jüngeren Kinder ihr »Licht-Ich« vor sich her tragen zu sehen: Man weiß zuweilen nicht, ob die Laterne vom Kind getragen, oder ob dieses vom vorangehenden Licht gezogen wird. Ist es mit den Idealen im Leben nicht ebenso?

Das Laternenlicht-Ich symbolisiert das idealische Selbst des Menschen, das mit der Welt und dem Kosmos verbunden ist. Sonne, Mond und Sterne treten in der Laterne auf; sie auf »Sternenbahnen« zu tragen gleicht ihrem kosmischen Umlauf. Diese Sphärenharmonie sollte deshalb von Singen, nicht von Schwatzen begleitet sein.

Die Verehrung von Sankt Martin ging ursprünglich mehr vom Volk als von der Kirche aus, was diesem Brauchtum eine allgemeingültige, überkonfessionelle Bedeutung verleiht. Dessen Symbolik ist unabhängig von Herkunft und Glauben und lässt uns nach dem tieferen geistigen Inhalt fragen.

Die Ich-Flamme in jedem Menschen ist in der geistig finster werdenden Welt gefährdet; die Mächte der Dunkelheit wollen sie auslöschen – deshalb muss sie geschützt werden, deshalb braucht sie eine Hülle. Aber diese Hülle darf das Leuchten des Ichs nicht zudecken, sie muss durchlässig, durchsichtig, transparent gemacht werden. Dafür muss die Seele geläutert werden. Sie muss sich von allen egozentrischen irdischen Interessen befreien, um in Selbstlosigkeit das Ich hindurch strahlen zu lassen.

So wird die Transparenz der von den Kindern vorher mit Aquarellfarben gemalten Bilder, die zur Laternenhülle werden, durch Einstreichen mit Öl erreicht. Öl ist »flüssiges Sonnengold«. Tiefe Symbolstränge verbinden sich im echten Brauchtum und die Festmotive greifen ineinander über. Das Tragen des Lichts in die Finsternis ist ein erkennbar michaelisches, das Anzünden ein weihnachtliches, das Einstreichen mit »Sonnengold« ein angedeutetes Dreikönigsmotiv. Kein Fest steht für sich allein. Nicht zufällig wird die lichtdurchlässig gemachte Papierhülle »Laternenmantel« genannt. Das Mantelmotiv aber ist die Brücke zur Verehrung von Sankt Martin.

In Erkenntnis, Mitgefühl und Tat zeigt sich das vorbildliche Ich
Sankt Martin wird im Lied in jeder Strophe drei Mal angerufen. Ihn kennzeichnet, dass er den unbehausten, frierenden, Bedürftigen, den der »im Dunkeln sitzt«, sieht, dass er bereit ist, von seinem »hohen Ross« herab sich ihm zuzuneigen, und dass er ihm von seinem schützenden »Eigentum«, dem Mantel, den halben Teil schenkt.

Einsicht, Zuwendung und Schenken sind Gesten des freien Ich. Ein Ich, das nicht im Ärmsten den Menschenbruder erkennt, das sich von seinem Stand nicht herab bewegt, ein Ich, das keine eigene Mantelhülle gebildet hat, kann dem Bedürftigen nicht helfen. Erkenntnis, Mitgefühl und eigenständige Tat gehören zusammen. In der Einheit der Dreiheit zeigt sich das zum Vorbild taugliche Ich.

Martin überwindet in der Begegnung mit dem Armen das ihm von seinem Vater aufgedrängte »Soldatsein« (wörtlich »gegen Bezahlung arbeiten«) und wird, indem er von seiner eigenen Wohlstands- und Wissenshülle, dem »Mantel«, die Hälfte abgibt, zum »Heilenden« (das ist das ursprüng­liche Attribut eines »Heiligen«). Durch diese freie Tat tritt er die Nachfolge Christi an. Für das Kindergartenkind sollte nicht der Schwerthieb der Mantelteilung im Vordergrund stehen, sondern dass dieser Mantel (»man-tellum«, wörtlich das Zelt des Menschlichen) eine Wärme- und Lichthülle bedeutet, die der gütige Mensch dem nicht bloß körperlich Frierenden abgibt. Im Brauchtum der Laterne mit den Liedern, die auf Sankt Martin Bezug nehmen, kommt dies besser und alters entsprechender zum Ausdruck als in vielen kostümierten Martinsumzügen, bei denen die römische Art und Tracht stark in den Vordergrund rückt.

Noch nicht so sehr mit dem Verstand, sondern empfindungsmäßig kann das Kindergartenkind an das menschlich Vorbildliche der Gestalt des Sankt Martin hingeführt werden. Dafür ist es wichtig, dass an das Wirken des Heiligen, der den dafür Empfänglichen als »Lichtgestalt« nach seinem Tode erschien, angeschlossen wird und nicht an den historischen Bischof Martin. Deshalb knüpft das Martinsbrauchtum an dessen geistige Gestalt ab dem dritten Tag nach seinem Tod und somit an den 11. November und nicht an den eigentlichen Todestag am 8. November an.

Mit dem 11.11., dem Beginn der Karnevals- und Faschingszeit, rückt auch der Bezug ins Licht, dass Martin seine Tat als Vorbereitung auf die christliche Taufe, die er anstrebte, verstand. Die Fastenzeit, an deren Ende früher die Taufe stand, dient dazu, auf Ostern, also auf das zentrale Christusgeschehen, vorzubereiten. Karneval und Fasching mit ihren »fetten Tagen« sind darin bloß Ausgleichsphasen.

Die Sankt Martins-Zeit leitet etwas ein, das weit über Weihnachten hinausgeht.

Es ist für kleine Kinderfüße ein großer Schritt, das Ich als etwas zu tragen, das »von oben her« entzündet wird, und das in der Gemeinschaft eine Auflichtung der »Finsternisse« (im Äußeren und Inneren) bewirkt.

www.erziehungskunst.de / Archiv

Wie feiern wir im Waldorfkindergarten Leonberg das Michaeli-Fest?

Wir hatten wieder Michaeli in unserem Kindergarten gefeiert.

Ich habe mich besonderes auf dieses Fest 2019 vorbereitet. Ich dachte mir: 100 Jahre der Waldorfbewegung verpflichtet!
Als innere Einstimmung nahm ich mir vor, GA 26 von R. Steiner zu lesen (Michaelbriefe und Leitsätze): „Vom Wesen und Wirken Michaels“. Ich habe nicht alles geschafft…
Als inhaltliche Inspiration sprachen mich zwei Leitgedanken an: „Menschheitszukunft und Michael-Tätigkeit“, wie auch „Michaels Mission im Weltenalter der Menschen-Freiheit“.
Und, wie jedes Jahr, las ich von dem Wesen und Wirken Michaels in der Michael – Imagination.

Im Jahre 1923 stellte R.Steiner das Michaelifest in den Gang der christlichen Jahresfeste hinein. Ein neues Motiv in der Darstellung des Michael-Themas: Die Schaffung eines Michaelifestes. Dieses Fest soll einst ein Fest des Seelenmutes, der Seelen-Aktivität, ein Entängstigungsfest werden, das den ganzen inneren Menschen erneuert.

„Michael gibt ein neues spirituelles Licht, und die Menschen unserer Zeit dürfen sich in dieses Licht stellen.“
Rudolf Steiner, 20. Mai 1913 London

Tafelbild aus www. waldorf-ideen – pool.de

29. September (dieses Jahr bei uns im Waldorfkindergarten war es am 27. September gewesen), wenige Tage nach der Tag- und Nachtgleiche, feiern wir den Michaelistag.
Ich bin seit fast 30 Jahren eine Waldorf-Vorschulpädagogin: eine Waldorferzieherin. Die mir anvertrauten Kinder kommen und gehen. Auf Jahre hat sich die Inkarnationsstimmung um die Kinder herum verändert; dies nahm ich deutlich wahr. Es stellt sich immer wieder für mich die Frage: Was wird aus Kindern, die in dieser Welt aufwachsen. Sie leben in einer sich mit unvorstellbarer Geschwindigkeit entwickelnden Zeit. Heute löst eigentlich eine Neuheit die andere ab: schnell, schneller, am schnellsten.

Können die Kinder ihr eigenes Wesen, was sie mitgebracht haben, entfalten? Mir fällt immer wieder, bei Beobachtung der kleinen Kinder auf, wie aktiv sie sind. Beweglich.

Gute, wesensgemäße Erziehung ist eigentlich hauptsächlich dazu da, Hindernisse hinweg zu räumen, die dem Wesen „Kind“ den Weg zur eigenen Entwicklung hemmen und verbauen können.

„ Das aber, wird beim Michael-Fest ganz besonders in Betracht kommen: Dass das wird sein müssen ein Fest zu Ehren des menschlichen Mutes, der menschlichen Offenbarung des Michael-Mutes. Denn was ist es, was heute den Menschen von der Geist-Erkenntnis zurückhält? Seelische Mutlosigkeit, um nicht zu sagen seelische Feigheit. Der Mensch will passiv alles empfangen, will sich hinsetzen vor die Welt wie vor ein Kino und will sich alles sagen lassen durch das Mikroskop und Teleskop. Er will nicht in Aktivität härten das Instrument des eigenen Geistes, der eigenen Seele. Er will nicht Michael-Nachfolger sein. Dazu gehört innerer Mut. Dieser innere Mut, dieser muss sein Fest bekommen, in dem Michael-Fest. Dann wird von dem Fest des Mutes, von dem Fest der inneren mutigen Menschenseele ausstrahlen, was auch den andern Festezeiten des Jahres rechten Inhalt geben wird.“
GA 223, 5 Vortrag

Was wir brauchen ist „Innerer Mut. Aktivität der eigenen Seele.“ Was wichtig ist, die Kinder zu seelischer Aktivität zu erziehen.

Dem Michaelsfest wird im Waldorfkindergarten ein wichtiger Platz eingeräumt. Es ist sehr wichtig, dass unsere Kinder jedes Jahr das Fest des Mutes, der mutigen Menschenseele feiern. Jeden Tag aufs Neue muss die Passivität, die durch die Technologien immer mehr Besitz von den Seelen unserer Kinder ergreifen will, überwinden werden.

Tafelbild aus www.waldorf-ideen-pool.de

 

Unsere Praxis

„In klarer Herbstesnacht Erzengel Michael wacht. Beschützet die Menschen,
und ist auch dir hold, trägst du im Herzen das Sommersonnengold.“

Die Vorbereitungen fangen in der zweiten Septemberwoche schon an. Welche Schwerpunkte werden es dieses Jahr sein? Wer besorgt was? Wie wird die „Michaelskrone diesmal aussehen? Wann wird der Elternbrief an die Eltern abgeschickt (Festschrift zu dem Fest)? Wer schreibt die Karten? Haben wir für die Mutproben die benötigten Gegenstände (gibt es „neue Variationen“)? Wann fangen wir mit dem „St. Michael-Spiel“ an? Wer bügelt die Stoffe für den Jahreszeitentisch und sind die Spiel-Gewänder in gutem Zustand? Und so weiter…

Mit den Kindern singen wir die Michaelilieder. Sie stimmen sie auf das Fest ein. Die Kinder leben und verstehen das Michaeligeschehen nicht über Worte und Erklärungen, sondern über die Stimmung und das Künstlerische.
Dieses Jahr habe ich mir etwas besonders für die Kinder ausgedacht: Sie bekamen am St. Michaelfest einen Anhänger. Darauf ist die Ikone vom Erzengel Michael abgebildet.
Eine Kindergartenmutter buk uns die kleinen Brote (in der Form des Schwertes), jedes Kind bekam so ein Brot nach Hause. Die Kronen fehlten auch nicht. Dieses Jahr wurden sie mit einem Stern verziert. Unsere Vorschulkinder durften sich eine rote Kerze „michaelisch“ schmücken. Die Kinder brachten von zu Hause ein festlich geschmücktes Körbchen mit Gemüse. Fleißig schnitten sie das Gemüse und so schmeckte die leckere Gemüsesuppe noch besser.

Und natürlich wurden Mutproben ausgeführt! (polierte Äpfel und Karten taten wir den Kindern in die Fächer) Und weiter?
Mit den Kindern spielen wir ein Michaelispiel, indem der Ritter die schöne Königstochter befreit. Das Michaeli-Märchen wird erzählt (Königstochter in der Flammenburg). „Michaels- Banner“ schmücken den Raum

Farben

Die Farbe Rot in der Gruppenraumgestaltung symbolisiert den Mut. Auf dem Jahreszeitentisch dominiert „rostrot“ und smaragdgrün. Mit der Zeit kommt als Farbe ein wenig Gold dazu. Das Feuer ist Element dieses Erzengels.

Ich kenne (unter anderem) folgende Angaben von dem R. Steiner zu dem Erzengel Michael:
„Der vierte, welcher die Kräfte der anderen in sich enthält und seine eigene Kraft hinzufügt, strahlt sein Licht von dem Osten aus in rosafarbiger Nuance und goldenem Glanze. Er leitet und lenkt die Entwickelung der Erde und wirkt deshalb in die Zukunft hinein. Eine erhabene, siegreiche Gestalt, welche die Eigenschaften der drei anderen in sich trägt, wird er mit dem Namen des Michael genannt. So stehen da die vier mächtigen Erzengel und leiten die Weltenvorgänge. Ein jeder von ihnen ist verbunden mit einem der vier Glieder im Menschen, denn in jedem der planetarischen Zustände wurde eines dieser Glieder in der Anlage entwickelt. Der vierte leitet die Ausbildung des menschlichen Ich. Er ist am innigsten mit der Menschheit verbunden und ist der direkte Diener des mächtigen Sonnengeistes.“ (Lit.:GA 265, S. 337)

Dann schaute ich mir noch die Angaben der Farben in der Christengemeinschaft. Diese sind:
Advent: Blau (Dunkelblau)
Weihnachten: Weiß (Hellviolett)
Epiphanias: Rotviolett (Dunkelrotviolett)
Passionszeit: Schwarz (Tiefschwarz)
Ostern: Rot (Grün)
Himmelfahrt: Rot (Gold)
Pfingsten: Weiß (Hellgelb)
Johanni: Weiß (Hellgelb)
Michaeli: Heckenrosenfarbe (Meeresgrün)
Grundfarbe in den Zwischenzeiten: Hellviolett (Orange)

Und so traf ich, für mich, stimmige Entscheidung.
Zusammengestellt Aleksa. S. Muszer

 

Texte und Reigen. Leider weis ich nicht immer, von wem die Gedichte stammen. Mir haben sie viele Menschen auf meinen „Waldorfweg“ gegeben. Bitte, meldet Euch, sollte etwas nicht in Ordnung sein.
Liebe Grüße,

Aleksandra S. Muszer

Michaeligedicht

Wer ein goldenes Herz hat und goldene Augen,
der kann in den klaren Herbstnächten am Himmel
die goldene Sonne sehen.
St.Michael steht darin und schlägt mit der
wahrhaften Hand an das Schwert,
dass diamantene Funken zur Erde sprühen.

Wer ein goldenes Herz hat und goldene Augen,
der kann in den klaren Herbstnächten
die goldene Mondsichel sehen.
Die Mutter Maria steht darin und spendet mit
segnenden Händen himmlische Weizenkörner zur Erde,
dass alle Menschen satt werden.

Wer ein goldenes Herz und goldene Augen hat,
der wird einmal in den klaren Herbstnächten
am Himmel die silberne Mondsichel sehen.
St.Michael wird darin stehen und er wird
sein Schwert umgeschmiedet haben zur Leier,
und nun hörte man wundersame Töne darauf spielen,
die wie die Perlen zur Erde fallen
und den Menschen ins Herz.

„Michael wirkt aus der Sonne.
Und das, was geistig die Sonne der Welt zu geben hat,
kann man auch dasjenige nennen,
was Michael mit den Seinigen
der Welt zu geben hat.”
(R. Steiner GA 243, 18.08.1924)

„Michaels Strahlenkleid“.
Rudolf Steiner beschreibt Michaels Strahlenkleid in seinem letzten öffentlich verkündeten Mantra in der Michaeliszeit 1924

„ Sonnenmächten Entsprossene
Leuchtende, Welten begnadende
Geistesmächte; zu Michaels Strahlenkleid
Seid ihr vorbestimmt vom Götterdenken
Er der Christusbote, weist in euch
Menschentragenden, heil’gen Weltenwillen
Ihr, die hellen Ätherwelten -Wesen
Trägt das Christuswort zum Menschen
So erscheint der Christuskünder
Den harrenden, durstenden Seelen;
Ihnen strahlet euer Leuchte-Wort
In des Geistesmenschen Weltenzeit
Ihr, der Geist-Erkenntnis-Schüler
Nehmet Michaels weises Winken
Nehmt des Welten-Willens Liebe-Wort
In der Seelen Höhenziele wirksam auf.“
(GA 238, 28.09.1924)

„Wir Menschen der Gegenwart
Brauchen das rechte Gehör
Für des Geistes Morgenruf,
Den Morgenruf des Michael.
Geist-Erkenntnis will
Der Seele erschließen
Dies wahre Morgenruf-Hören.“
Rudolf Steiner

Michaels-Ritter-Spiel

1. Lied:

„Im Gottes Namen fahren wir, zu St.Michael wollen wir,
wir fahren, wir fahren, wir fahren zu St.Michael in Gottes-Namen.
Nun öffnet sich das goldene Tor, St.Michael, der trifft hervor.
Wir folgen dir du starker Held mit Freuden durch die ganze Welt.“
( alle gehen im Kreis; Ritter und Prinzessin haben die Umhänge an.. )

2. Gesprochen:

Es wachsen die Mauern aus Felsengestein
Und schließen die schöne Prinzessin mit ein.
( Ritter ist „draußen“, Prinzessin in Mitte des Kreises, Drache sitzt in „einer Ecke“..; die Kinder im Kreis, von der Hocke „nach oben“, dann verdichten wir den Kreis um die Prinzessin..)

Ein schrecklicher Drache, mit grässlichen Rachen
Schleicht sich dumm und dumpf,
um den ganzen Turm herum.

——— // ———-
(Drache umkreist den Kreis 3 mal)

3.

St. Michael:
„In einen Turm fest eingesperrt
Sitzt eine Königstochter wert.
Sankt Georg du sollst sie erlösen
Von dem Drachenwurm dem bösen.“

St. Georg :
„ Sankt Michael gib mir die Kraft und Mut,
dass ich den Drachen besiege gut.“

St.Michael:
„Das goldene Schwert sollst du haben,
siegen wirst du mit meinen Gaben.“

Ein Reiter hört das Königskind rufen.
Es eilen die Pferde, aus Gold sind die Hufen.

4

Es reitet ein stahlblanker Ritter zu Ross,
er will zu der schönen Prinzessin ins Schloss.
(Ritter reitet um den Kreis herum..)

Lied:
„Wer kommt denn da geritten auf seinem stolzen Pferd
Es ist der edle Ritter mit Büschel, Helm und Schwert.
Trip trap, trip trap, trap, trap, trap “

———–//———–

Gesprochen:
Da sieht er den Drachen mit grässlichem Rachen
Und er hebt sein Schwert, der Ritter wert.
Und er schlägt im Sturm den grässlichen Drachenwurm.
(Ritter findet den Drachen; hebt sein Schwert und schwenkt es 3 mal..; Drache schließt sich dem Kreis an..)

Nun öffnet sich das goldene Tor
Und die schöne Prinzessin tritt hervor
Prinzessin mein, meine Braut sollst du sein;
Komm mit mir aufs Ross,
wir reiten ins Schloss.
(Ritter findet in den Kreis rein, Prinzessin steht auf..; Sie „reiten“…)

5. Lied:
„Ein Ritter will ich werden, ein Kämpfer stark und rein,
dem Guten auf der Erde muss Sieg beschieden sein.
Wen nehme ich mit zum Bilde, wer kämpfet stark und schnell?
Es leuchtet mir im Schilde der Engel Michael.“
(..gehen im Kreis..)

Gesprochen:
So kamen sie ins Schloss hinein
Noch heute soll die Hochzeit sein.
(..sie tanzen..)

6. Lied:
„Alle Bächlein munkeln, alle Sterlein funkeln.
Juchhei Prinzesschen-Braut, Juchhei Prinzesschen-Braut!“

Gesprochen:
St.Michael wir danken dir
Dass du halfest besiegen den Drachengetier.

Lied:
„Himmlisch im Streite Michael, bleib Du zur Seite meiner Seel,
dass ich auf Erden tüchtig kann werden,
Dunkles besiege durch deine Liebe“

Vers:
Werden die Tage kurz
Werden die Herzen hell
Über dem Herbst strahlt leuchtend St.Michael.
St.Michael Herr der Zeit
Du gibst neues Brot
Und ein neues Kleid.

*Requisiten:

  • Ritterhelm
  • Prinzesschenkrönlein
  • Roter Umhang
  • Rosa-Umhang
  • Goldenes Schwert
  • Orffsche Instrumente
  • Erzengel Michaelumhang

Das Spiel bekam ich von meiner Kollegin, Frau Barbara Schröer.

 

Gedicht

„Im tiefen Turm, fest eingesperrt,
sitzt die Königstochter wert.
St.Georg, du sollst sie bald erlösen
Von dem Drachenwurm, dem Bösen.
Das goldene Schwert und den Helm sollst du haben,
siegen wirst du mit meinen Gaben!
Sie sitzt im tiefen, tiefen Turm,
und draußen wütet der wilde Wurm!
Es klingen wie Glocken die silbernen Hufen,
ein Ritter hört das Königskind rufen.
Mit goldener Wehr erschlag ich den Drachen,
er darf nicht das Königskind bewachen!
Ich bin St.Georg mit Michaels Schwert,
bin mutig und stark, des Königskindes wert“
Es fällt von der Mauer Stein um Stein,
St:Georg tritt zu dem Königskind ein.
Du Sternenkind, steig auf mein Ross,
wir reiten in mein goldenes Schloss!
So kommen sie ins Schloss hinein,
noch heute soll die Hochzeit sein.
St.Michael, wir danken dir!
Du halfst besiegen das Drachengetier!
Das goldne Schwert und den Helm hier zurück!
Wir danken dir für unser Glück!“
Gedicht von J.v.Radecki, schön im Reigen aufzubauen


„St.Michael und der Mondsichel“

Sahst du in klaren, hehren Herbstnächten der Sternenfunken am aufsprühen?
Wie die Hoffnung einer Menschenseele gehen sie auf: wie der Entschluss eines Menschenherzens tauchen sie unter, leuchtend in kraft. Sternschnuppen nennen es die Menschen.
Wer aber seinen Engel lieb hat und von Kind auf keine Furcht in sein Herz einließ, weiß es besser. Er sieht in klaren Herbstnächten dort oben in den Sternen den großen Kämpfer, St.Georg auf Erden genannt, Sankt Michael in den Himmeln.
Und er sieht sein Antlitz überstrahlt von goldener Weisheit, die ihrer selbst nicht wissend, das Herz der höchsten Gottheit widerspiegelt. Und sieht seinen arm erschimmert in der Wehr, die stark ist und rein, wie aus Himmelsgerechtigkeit gehärtet.
Und mit der wehrhaften Hand schlägt Sankt Michael an das Schwert, dass die kriechende und begehrende, wühlende und zerfressende Unreinheit treffen wird. Und die Sterne erbeben, und diamantene funken springen, wenn Sankt Michael an sein Schwert schlägt…
Sahst du in dunkler Winterzeit die zarte Sichel des Mondes über den feinen, weisen Wolken dahingleiten?
Es rauscht um sie wie ein flüstern ferner Gräser von der weiten, schönen Himmelswiese.
Sehnsucht. Ferne, ferne fort zu sein, erfasst die Herzen der Menschen, die da hinschauen zu der Sichel am Winterhimmel.
Wer aber seinen Engel lieb hat und von Kind auf die Reinheit in seinem Herzen pflegte, weiß es besser.
Er sieht dort oben auf der schmalen silbernen Sichel die himmlische Jungfrau Maria stehen. Und er weiß, dass sie eine Königin ist. Denn sie lächelt nieder zu denen, die auf Erden sich sehnen und darben.
Und spendet aus ihren rosigen Händen himmlische Weizenkörner, die segnend zur Erde fallen. Sie spendet aus betend gebeugten Händen. Sie betet für die tiefen, dass sie satt werden mögen und gut und erfüllt mit dem Wunder, dass die Höhe noch bringt.

Und einmal wird es geschehen.
In einem Herbste, wo die Birke nicht nachweint ihren Blättern: Wo das Birkenlaub fröhlich zur Erde fällt. Da wird eines Tages über dem Monde eine Treppe erscheinen, deren Stufen so sind wie milchiger Stern. Und auf diesen weißen Stufen, mit segnenden Händen Erlösung winkend, wird Maria empor schreiten zum goldenen himmlischen Erntedanktisch, als trete ihr Fuß auf sich spreizende Taubenflügel.

Die Sichel des Mondes wird dann nicht verwiest sein. Ein Lied wird dann von ihr tönen, das im Himmel und auf Erden noch nie gehört wurde. Sankt Michael wird dann auf der Mondsichel stehen. Als himmlischer Schmied hat er sein Schwert umgeschmiedet zum Rahmen einer Leier, und aus Mutesgedanken der Menschen wurden die Saiten darauf gespannt. Der Drachenbesieger wird singen und spielen und als himmlischer Lautenspieler walten seines Amtes.
Kraft ist in seinem Lied. Von der Tröstung und Erfüllung einer alten Zeit wird er singen und von dem nahen Niederströmen des höchsten Lichtes, in welches das Lächeln Marias entschwand.

Und die Birke wird erschauen bis ihr tiefstes Mark voll Freude, wenn dieses Lied ertönt. Und der Herbst wird sein wie Frühling.
Manche Menschen werden es nicht sehen, manche nicht hören. Wer aber seinen Engel lieb hat und treue in seinen Herzen trägt: der weiß es gut und will es besser.

Eine polnische Michaels-Legende

Unser Puppenfest im Waldorfkindergarten

Einen besonderen Anlass brauchen wir in unserem Waldorfkindergarten nicht um das Puppenfest zu feiern: Die Puppen begleiten uns im Spielgeschehen und bei der Arbeit „jeden Tag“. Puppenkinder dürfen immer vorbei kommen: Sie sind für die Kinder, wie die Kindergartenkinder für uns sind.
Am Tag des Puppenfestes: Jedes Kindergartenkind bringt seine Waldorf-Puppe mit. Der Tagesrhythmus wird den kleinen Gästen angepasst. Mal dürfen die Puppen eine kleine Landpartie erleben. Ein anderes Mal schauen sie der Eurhythmie zu.

Vorbereitungen:
Am Tag zuvor sorgen wir dafür, dass unsere Kindergartenpuppen besonders auf das Fest vorbereitet werden. Und dazu gehören: Schöne Anziehsachen, Schühchen, ordentliche Frisur. Liebevolle Aufmerksamkeiten. So regen wir die Kinder an, sich dem eigenen Puppenkind zu Hause zuzuwenden (Vorbild). Die Puppen bekommen auch einen „Sonderplatz“. Sie sitzen im Hauptraum feierlich wartend. Ein großer Korb dient als Puppenwohnung für die am kommenden Tag zugereisten Gäste.

Am Vortag des Puppenfestes backen wir ein Blech Muffins, die die Kinder dann mit ihren Lieblingen verspeisen können. Und natürlich: Wir haben das Puppengeschirr für die kleinen Gäste.

So beginnt das Fest:
Am Tage des Festes begrüßen wir auch jede Puppe mit dem Handschlag. Im Begrüßungskreis singen wir die Gäste „rein“:
„Guten Morgen in diesem Haus. Also wünschen wir, also wünschen wir, einen schönen Guten Morgen allen Kindern in diesem Haus. (..–.. x3)“
Dann folgen die Tänze. Sie werden so ausgesucht, dass die Kinder und Puppen sie gemeinsam durchführen können. Nach den Tänzen picknicken wir.

„Die Mutti hat den Tisch gedeckt
und auch die Kerzen angesteckt,
der große Kuchen steht bereit,
die Mutti sagt: „Nun ist es Zeit“,

und dann setzt sie mit frohem Sinn
die wunderhübsche Puppe hin.
Nun wird die Tür weit aufgemacht,
Christinchen kommt herein und lacht,

sie sieht, was Mutti aufgebaut,
„die schöne Puppe“, ruft sie laut,
„genau so wünschte ich sie mir,
oh, Muttilein, ich danke dir!“
Ilse Kolmann Gümmer

Das wird gespielt:
„Es ist eine Puppe verschwunden, eine fehlet im Kreis, und wir wollen mal wissen, ob die / der ……. es weiß“
(Puppen liegen unter einem Tuch. Nacheinander holt nun jedes Kind die fremde Puppe vor und versucht zu raten, wem sie gehört. Wenn dreimal daneben getippt worden ist, darf sich der richtige Besitzer melden.)

„Freies Sprechen“ (freiwillig!)
was macht die Puppe zu Hause, wie heißt sie…

Spaziergang
Wir gehen spazieren: Wiesen und Felder, Wind und Sonne. Es gibt für die Puppenkinder viel zu sehen.


Bilderbücher

  • „Puppenreise um die Welt“ (altes Kinderbuch; Text ist gereimt)
  • „Die Puppe Mirabell „ von Astrid Lindgren

Die Idee ein Puppenfest in unserem Waldorfkindergarten zu feiern, äußerte einmal meine Kollegin Frau A. Maien (sie leitet momentan unsere Spielgruppe) und ich stellte das pädagogische Konzept dazu.
Dieses „Fest“ wird in unserem Kindergraten sehr intensiv gelebt.

Aleksandra S. Muszer

Waldorfpuppe

Waldorfpädagogik hat sehr viele Besonderheiten und sie hat einmalige „Sachen in die Welt gesetzt“. Dazu gehört der Begriff der Waldorfpuppe.
Schlicht gestaltet, aus natürlichen Materialien ist die Waldorfpuppe weltweit bekannt und geschätzt. Körper und Kopf sind bezogen mit fest verarbeitetem Baumwolltrikot. Ausgestopft sind die Puppen mit reiner Schafwolle. Für die Haare wird entweder Mohairwolle, oder glatte Wolle verwendet.
Hierzu einige Zitate vom Begründer der Waldorfbewegung Rudolf Steiner:
„Für das Kind ist die Puppe ein Gegenüber und kann je nach Alter und Entwicklung des Kindes anders aussehen. Sie darf nicht zu stark ausgestaltet sein, um die Phantasie des Kindes anzuregen.*
oder: „Das Kind verödet innerlich neben der schönen Puppe, weil da für seine Phantasie nichts übrig bleibt…“

Angesichts der Waldorfpädagogik lebt die Puppe mit dem Kind am besten, wenn sie eine neutrale Ausstrahlung hat, die Freiraum für die Fantasie des heranwachsenden Kindes lässt. Das Kind soll mittels seiner Vorstellungskraft selber entscheiden dürfen wie sich die Puppe fühlt und gebärdet. Die ursprüngliche Waldorfpuppe war sogar gesichtslos, um der kindlichen Fantasie noch mehr Freiraum zu lassen. Heute dürfen die Waldorfpuppen ein Gesicht haben, es sollte aber keinen Gemütszustand verdeutlichen.
Es gibt in Deutschland viele Puppenmacherinnen, die die Puppen nach Waldorfart nähen. Hohe Kunst zeichnet dieses Handwerk aus. Schauen Sie vorbei bei:

  • www. puppenhebamme.de ( Frau Tanja Dolores Schnidt)
  • www. rundumdiepuppe.de (Frau Christel Dubberke)
  • www. mariengold.de (Frau Maria Ribbek)

So geht es auch über die Puppe zu schreiben:

Die alte Puppe

Sie ist mir überhaupt nicht schnuppe
meine kleine alte Puppe.
Was hat sie mir doch beigebracht
mit mir geweint und auch gelacht.
Die Puppe war wie Puppen sind
oft Seelentröster als ich noch Kind.
Sie war bei mir bei Tag und Nacht
Wir haben manches Spiel gemacht.
Gekämmt, gebadet und im Puppenwagen
Sie wurd´ von mir auf dem Arm getragen.
Sie gehörte mit zu meinem Leben
Ich hatte ihr mein Herz gegeben.
Im schicken Kleid ging ich mit ihr raus
fuhr sie im Puppenwagen aus.
Traf manche Puppenmutter stets
als ich so fröhlich unterwegs.
Noch heute denk ich gern zurück
an mein kleines Puppenglück
Angie

Ein Bericht aus dem Leben:
Liebe Jana,
meine Homöopathin hat in ihrem Büro einen großen Schreibtisch stehen, mit ich glaube 2 Stühlen für die Patienten und auf der anderen Seite einen für sich. Dann steht da noch ein Stuhl etwas daneben, quer dazu, unter einem Fenster, diesen Stuhl sieht man als aller erstes, wenn man das Büro betritt. Auf diesem sehr großen schwarzen Stuhl sitzt eine kleine Puppe in intensiv blauen Puppenkleidern. Ich hab sie leider nie gefragt, ob das ihre eigene Puppe ist, die sie als Kind hatte. Aber ich habe mich immer über diese Puppe gefreut; hab sie jedes Mal angelächelt, wenn ich rein kam. Die Puppe ist schon recht alt und sieht so aus, als ob sie sehr geliebt wurde/wird. Sie ist im übrigen Homöopathin für Frauenkrankheiten und arbeitet auch sehr viel mit Kinderwunschpatientinnen. Ich denke sie hat die Puppe ganz bewusst da hingesetzt. 🙂
www.frauenworte.de

Mein Leben mit Puppen
Als ich ein kleines Mädchen war, besaß ich eine einzige Puppe – ein Schildkröt-Puppenkind. Sie hatte unter dem  Weihnachtsbaum gesessen, als ich mit zweieinhalb Jahren gerade durch´s Schlüsselloch gucken konnte. Sie war ein Geschenk meines Großvaters, der mich liebevoll „Brittchen“ nannte. Mit diesem Geschenk grub er sich für alle Zeiten in mein Kinderherz ein. Ich nannte mein Puppenkind  „Ruth“ und schenkte ihr meine ganze Liebe.
Ruth begleitete mich durch meine gesamte Kindheit – und viele schöne Erinnerungen verbinden mich mit ihr. Zu jedem Weihnachtsfest bekam Ruth ein neues Kleid und an meinem Geburtstag saß sie mit einem Geschenk im Arm mitten auf dem Geburtstagstisch. Auch während der Teenagerzeit verbannte ich mein geliebtes Puppenkind nicht auf den Dachboden oder in einen Karton – Ruth saß als „stiller Zuschauer“ inmitten von Postern meiner Lieblings-Stars und nahm auch Anteil an meiner ersten Liebe.
Brigitte Lehman ist Puppenmacherin

Eine Kindergeschichte
Geliebte Puppen
Was gibt es für kleine Mädchen Schöneres und Wichtigeres als eine Puppe. Die Puppe ist lebendig, sie kann zuhören, sie kann trösten, sie kann zärtlich blicken, sie braucht Liebe und Zuwendung.Und hat eine Puppenmama erst einmal ihren Liebling ins Herz geschlossen, dann bleibt diese Liebe für immer und ewig.
Meine Freundin Karin schilderte, wie sie sich von ihrer Puppe Lilli Marlen trennen musste. Ja, sie hieß Lilli Marlen nach dem bewussten Lied, das zu unserer Zeit oft im Radio gespielt wurde. Lilli Marlen musste mit auf die Flucht. Von Wusterwitz in Pommern ging es zu Fuß im Winter 1944 weg. Karin war gerade 6 Jahre alt, sie hatte einen Tornister auf dem Rücken und ihre Puppe im Arm. Allmählich ließen ihre Kräfte nach. Sie konnte bald nicht mehr mithalten mit den Erwachsenen und ihre Mutter wusste keinen anderen Rat und sagte: „Schmeiß die Puppe in den Graben, dann kannst du leichter gehen.“
Aber das konnte und konnte Karin nicht übers Herz bringen. Sie presste die Puppe an sich und immer weiter lief sie mit der Puppe im Arm. Irgendwann dann konnte sie selbst nicht mehr. Sie setzte ihre Lilli Marlen an einen Baum am Straßenrand, deckte sie mit einem Taschentuch zu und flüsterte ihr zu: „Schlaf schön.“ Dann musste sie weiter….
Diese Puppe am Baum hat Karin nie vergessen.
Als sie dann in ihrem neuen Wohnort sesshaft wurden, hatte sie keine Puppe und doch immer Sehnsucht nach ihr. Ihre Mutter nähte in einem Haus. Dort durfte sie mit einer Puppe spielen, die dort auf dem Sofa saß. Immer freute sie sich, wenn die Mutter bei diesem Bauern wieder was zu nähen hatte. Und die Bäuerin bemerkte die große Liebe zwischen der Puppe und der kleinen Karin. Karins Mutter auch. Wie groß war Karins Freude, als sie zu Weihnachten genau dies Püppchen geschenkt bekam. Ihre Mutter hatte von dem erarbeiteten Geld als Näherin der Bäuerin die Puppe abgekauft.
Forum Danzig , Christa

Poetisches für die Herbsttage

„Über Berge, übers Meer
spannt sich eine Brücke her.
Immer ist sie nicht zu sehen.
Lange bleibt sie nicht bestehen.
Ihre Farben strahlen,
jeder möcht sie malen.
Regenbogenbrücke rund,
Regenbogenbrücke fern
Wie ein Stern, wie ein Stern.
Wird so herrlich wie dein Schein
Denn der ganze Himmel sein?“
Von Adolf Holst

Michaelssprüche

Wie das strahlende Licht,
das die Wolken durchbricht,
ist, wer Mut sich erringt
und das Böse bezwingt.

Michaelizeit

Werden die Tage kurz,
werden die Nächte hell.
Über dem Herbste strahlt
Leuchtend Sank Michael.

Sankt Michael,
Herr der Zeit!
Du gibst wahres Brot,
und ein neues Kleid.
Von Heinz Ritter

Kinderlied im Herbst

Falle, falle, falle
Gelbes Blatt, rotes Blatt,
bis der Baum kein Blatt mehr hat,
abgefallen alle.
Falle, falle, falle
Weißer Schnee, kalter Schnee,
tust den Bäumen nicht mehr weh,
denn sie schlafen alle.

 

Vom Riesen Timpetu

Still! Ich weiß was. Hört mal zu:
War einst der Riese Timpetu.
Der arme Bursche hat – o Graus! –
Im Schlafe nachts verschluckt `ne Maus.
Er lief zum Doktor Pfiffikus.
„Ach, Doktor, denkt nur, welch’ Verdruß!
Ich hab’ im Schlaf ne Maus verschluckt
Die sitzt im Leib und kneipt und druckt.“
Der Doktor war ein kluger Mann,
man sah’s ihm an der Brille an.
Er hat ihm in den Hals gequckt:
„Wie, was? Ne Maus habt Ihr verschluckt?
Verschluckt ne Miezekatz dazu,
so lässt die Maus Euch gleich in Ruh!“
Von A. Freudenberg

Vom Wichteln

Spricht der Wicht zum Hasenmann:
„Gehst du heut spazieren?
Zieh dir warme Socken an,
Deine Pfoten frieren!“

Spricht der Hasenmann zum Wicht:
„Dank für deine Sorgen!
Warme Socken hab ich nicht.
Kannst mir welche borgen?“
Von Marianne Graff


Michaelslied

Das Herz wird wach, der Tag wird hell,
wir grüssen dich Sank Michael!
Dein Zeichen ist der Sieg!

Am neuen Tag gibt neue Kraft,
die Gutes in die Erde schafft,
und allem Bösen Krieg!

Du Gotteskämpfer, stark und schnell,
du Schwertesengel Michael!
Gibt uns den Sieg!
Heinz Ritter (1902 – 1994)

 

Stilles Reifen

Alles fügt sich und erfüllt sich,
musst es nur erwarten können
und dem Werden deines Glücks
Jahr und Felder reichlich gönnen.

Bis du eines Tages jenen
reifen Duft der Körner spürest
und dich aufmachst und die Ernte
in die tiefen Speicher führest.
Christian Morgenstern (1871 – 1914)

 

Das Korn

Der Landmann baut mit Müh und Not
das Korn für unser täglich Brot.
Zum Müller wird das Korn gebracht
und weißes Mehl daraus gemacht.
Der Bäcker nimmt das Mehl ins Haus
und bäckt im Ofen Brot daraus.
Die Mutter streicht noch Butter drauf,
und wir, wir essen alles auf.
Johannes Trojan (1837 – 1915)

 

Nebel

Nebel, Nebel,
schwingt dich auf den Gebel,
schwingt dich auf zur Himmelstür,
lass die liebe Sonn’ herführ.
Volksgut

 

Ein Apfelbaum

Ein Apfelbaum muss Äpfel tragen,
zentnerschwer.
Aber im Herbst darf er sagen:
Jetzt ist’s genug, jetzt mag ich nicht mehr.
Abgenommen wird ihm die Last,
ein halbes Jahr hat er Ruh und Rast.
Mutter hat’s kaum
jemand so gut, wie der Apfelbaum.
Hans Baumann (1914 – 1988)

Wertvolles zum Nachdenken – Was macht uns auch noch nach 100 Jahren Waldorf aus?

Die Waldorfwelt feiert dieses Jahr 100 jähriges Bestehen. Eine Pädagogik ging durch die Welt. 100 Jahre lang ist er gewachsen, der Waldorf-Kosmos. Die geistigen, praktischen und institutionellen Impulse, die von der Anthroposophie ausgingen, wirken bis in die Gegenwart auf unterschiedliche Lebensbereiche.
Die Waldorfpädagogik beruht auf der anthroposophischen Menschenkunde des Philosophen und Publizisten Rudolf Steiner. Steiner hatte sich bereits Anfang des 20. Jahrhunderts mit Fragen der Erziehung und Schulbildung beschäftigt, seine Ideen zu einer neuen „Erziehungskunst“ in Vortragsreihen erläutert und 1907 in einem grundlegenden Aufsatz („Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft“) zusammengefasst.

Zwei Artikel schildern die Verbindung der Waldorfpädagogik zur geistigen Welt. Die Basis ist es, aus der sie gewachsen ist. Die Arbeit an den anthroposophischen Grundlagen: Ein Muss und eine Strapaze zugleich (für mich mindestens).

  • Warum Anthroposophie tägliche Arbeit des Lehrers sein müsste

…weil es eine Gesinnungspädagogik ist.
Die Beschäftigung mit der Anthroposophie wirkt gesinnungsbildend – oder man kann auch sagen: Bis ins Innerste verwandelnd. Rudolf Steiner ist nie müde geworden, diese innere Arbeit als essentielle Grundlage, als zentralen Aspekt der Waldorfpädagogik zu betonen.
Der Alltag in den Schulen – und da machen auch die Waldorfschulen keine Ausnahme – besteht darin, dass in vielen Klassenzimmern und in vielen Augenblicken des Alltags die Probleme überhand nehmen. Und zwar Probleme, deren Lösung man sich kräftig nähern könnte, wenn man eine innere Arbeit betreiben würde. Es geht um ein Verständnis der Kinder, um ein wirklich inneres Band zu den Kindern und ihrem Sein, ihren Fragen, ihren tiefsten Bedürfnissen. Gerade die wahrhaftigsten Lehrer werden sich am meisten darüber im Klaren sein, wo überall sie an ihre Grenzen stoßen.
Eine Waldorfbewegung, in der immer weniger Lehrer und Kollegen an anthroposophischen Grundlagen der Waldorfpädagogik arbeiten, und zwar ernsthaft, intensiv und mit Begeisterung, gerät in kurzer Zeit in eine Katastrophe.
Natürlich ist man schnell dabei, mit den Fingern auf „Katastrophenprediger“ zu zeigen und zu sagen: Es ist doch alles wunderbar! Was will man uns denn schlechtreden? – Nun, das ist eben immer eine Frage des Standpunktes. Wenn man den Standpunkt derer, die von einer Katastrophe sprechen, nicht einmal mehr versteht, dann ist es ohnehin zu spät. Um „Schlechtreden“ kann es nicht gehen, sondern nur um den außerordentlich besorgten Hinweis auf eine reale Katastrophe, die dennoch einen Zustand bedeuten kann, in dem vieles andere noch immer wunderbar ist.

Von der Wirksamkeit der Gedanken

Rudolf Steiner hat immer wieder betont, wie viel von der inneren Haltung und Gesinnung abhängt, mit der Menschen sich begegnen. Und wir alle wissen es doch nur allzu gut aus unserem eigenen Alltag, und auch die moderne Hirnforschung hat einen Beitrag zu einem Beweis dieser Tatsachen geleistet.
Es gibt Versuche, wo Lehrern als Versuchsperson gesagt worden ist, dass im nächsten Raum ein Schüler mit (angeblich) unterdurchschnittlicher Intelligenz sitzen würde. Man hat die Hirnströme dieses Schülers gemessen. Als der Lehrer den Raum betrat, spielten die Hirnströme „verrückt“. Der Schüler war außerstande, sich zu konzentrieren. Und was war die Ursache? Die bloßen Gedanken des Lehrers über den Schüler!
Stellen wir uns vor, es wäre wahr gewesen, dass der Schüler „dümmer“ war als andere Schüler. Was bedeutet es, wenn wir diese Dinge überhaupt denken, diese Urteile – ob wahr oder unwahr – in uns tragen? Es bedeutet, dass wir die Kinder ganz stark mit dazu verurteilen, dass diese Urteile wahr werden (und bleiben). Wir sind es selbst, die den Schüler „dumm“ machen und „dumm“ bleiben lassen, allein schon durch unsere Gedanken und Gefühle – ganz abgesehen von unseren Worten, Gesten, Taten und allem anderen, was stimmungsmäßig in unserem Unterricht lebt oder nicht lebt!
Und wie oft mögen wir vor einer bestimmten Situation in der Klasse oder einem einzelnen Kind hilflos stehen, weil uns die notwendige, richtige, heilende Idee in diesem Moment nicht kommt! Rudolf Steiner sagte aber, dass die ernsthafte Beschäftigung mit der spirituellen Menschenkunde den Menschen allmählich so ideenreich werden lässt, dass er sich nur immer wieder selbst wundern kann.

Vertiefen wir uns also in diesen spirituellen Schatz – mit all der inneren Stärke und Ernsthaftigkeit, die uns zur Verfügung steht, damit wir diese wunderbare Pädagogik wirklich von innen heraus immer mehr wahrmachen können! Damit wir immer mehr in jedem Augenblick, in jeder Stunde oder auch in anderen Situationen die richtige Atmosphäre finden und schaffen können … den richtigen Blick, das richtige Wort, die richtige Idee. Durchdrungen von einer Liebe und einem Verständnis, die zu einem bleibenden Band werden, das wirklich ganz real mit der Seele der Schüler verbindet und auch in den Stürmen des Alltags nicht schwächer wird, sondern nur stärker werden möge!

Waldorfpädagogik ist nicht nur Gesinnungspädagogik – sollte es sein! –, sondern sie hat auch das Instrument, den Weg, um diese notwendige Gesinnung ganz individuell in der eigenen Seele auszubilden. Dieser Weg gehört so notwendig zur Waldorfpädagogik wie … die Kinder, die darauf warten, dass wir diesen Weg beschreiten…

Was die größte Tragik ist…

Die Beschäftigung mit der Anthroposophie würde unendlich vieles geben können. Eine zunehmende innere Seelenstärke, Seelentiefe, Verständnis, kollegialen Zusammenhalt; eine innere Gesinnung, die stark genug ist, um nicht in den Stürmen oder auch schon kleineren Böen des Alltags völlig über den Haufen geworfen zu werden; ein inneres Band zu den helfenden Kräften – beginnend mit den Phantasiekräften oder anderen notwendigen Inspirationen und weitergehend in noch spirituellere Bereiche.
Es geht nicht um Vorwürfe, Anklagen oder einen erhobenen Zeigefinger, sondern um die Feststellung, dass eine ernsthafte, substantielle kollegiale Vertiefungsarbeit unendlich vieles für die ganz konkreten Probleme des Alltags beitragen würde – und um die Erkenntnis, dass all das oben Angedeutete heute immer wieder schmerzlich fehlt.
Und die größte Tragik ist noch nicht einmal, dass das so ist, sondern dass man es nicht einmal zugeben will! Es ist aber heute die Realität in der Waldorfbewegung, dass nur noch einige Kollegen diese Tragik essentiell und mit großen Schmerzen empfinden. Dann gibt es viele, viele andere, die sagen: „Ja, es stimmt, diese Grundlagen müssten wir eigentlich (mehr) pflegen. Müssten…“. Und dann gibt es eine immer mehr wachsende Zahl noch anderer Kollegen, die schon beim Namen „Steiner“ innerlich die Augen verdrehen und sagen: „Was soll dieser ganze Blödsinn? Je eher wir aufhören, ständig von ‚Grundlagen’ zu reden, desto besser können wir uns den konkreten Themen widmen.“

Darum sage ich: Die eigentlich essentielle Arbeit wird nicht mehr verstanden und nicht mehr gewollt, und die Tragik besteht darin, dass diejenigen Menschen, die noch aus ganzem Herzen die Notwendigkeit dieser Arbeit erkennen, nicht auf diese Katastrophe hinweisen.
© 2009 Holger Niederhausen
aus www. Erziehungskunst. de

  • Gibt es sie noch, die wahren Waldorfschulen?
    Von Dietmar Kasper, April 2019

Die Waldorfschulen werden 100 Jahre alt. Anlass genug, einmal auf die Situation der Schulen in Bezug auf ihre Führung und Entwicklung zu schauen. Weht noch der Geist der Anthroposophie durch die Waldorfschulwelt oder wer führt die Schulen heute?
Wer sich etwas näher mit der Schulgründung und den Menschen, die dabei waren, beschäftigt hat, weiß, dass Rudolf Steiner hochkarätige Anthroposophen als Lehrer in das Urkollegium berufen hat. Allesamt waren sie Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft und der ersten Klasse der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft. Zudem war Steiner nach den Gründungsvorträgen oft in Stuttgart und bildete die Lehrer waldorfpädagogisch weiter. Es war, könnte man sagen, die optimalste Situation hinsichtlich der Aus- und Weiterbildung der Lehrer gegeben, eine Situation, die heute an unseren Waldorfschulen nicht mehr gegeben ist.

Wie ist die Situation an den Waldorfschulen heute? Wer leitet, führt und gibt Antworten? Vor einigen Jahren wurde die klassische »interne Konferenz«, in die nur Lehrer berufen werden sollten, die mit der Anthroposophie verbunden und schon länger als zwei Jahre an der Schule tätig waren, weitgehend durch gewählte Gremien ersetzt. Dabei ging eine Welle der Unternehmensberatung durch die Waldorfschulen und es wurden in nahezu allen Schulen neue Gruppen zur Schulleitung und weitere Steuerungsorgane eingesetzt. Diese bilden sich durch Wahl der Teilnehmer aus dem Kollegium und manchmal auch aus einer zusätzlichen Person aus dem Schulleben, etwa dem Elternrat oder dem Vorstand. Hier spielt es keine Rolle mehr, ob jemand in der Anthroposophie zu Hause und ob er pädagogisch ausgebildet ist, sondern die Kandidaten werden meist aus einer Einschätzung der Wahlberechtigten heraus, ob sie fachkompetent genug sind, gewählt. Ein weiterer hier anzuführender Aspekt ist, dass es heute in Deutschland über 230 Waldorfschulen gibt, die alle geführt werden müssen. Bekannt ist, dass nicht alle Lehrer eine grundständige Ausbildung an einer Hochschule für anthroposophische Pädagogik absolviert haben. Die Anzahl der sogenannten Querein­steiger, die sich durch einige Kurse die Grundbegriffe aneignen sollen, ist groß.
Der Anteil der Lehrer, die Mitglied in der anthroposophischen Gesellschaft sind, kann – auch aufgrund der rückläufigen Mitgliederzahlen der anthroposophischen Gesellschaft besonders im Bereich der unter 35-Jährigen – als verschwindend gering bezeichnet werden. Wenn es gut geht an einer Waldorfschule, so gibt es noch zwei oder drei Mitglieder der anthroposophischen Gesellschaft in einem Lehrerkollegium.
Die wöchentliche Weiterbildung der Lehrer an Waldorfschulen in der Pädagogischen Konferenz hängt von der Präsenz des Kollegiums ab. Auch hier ist die Anzahl der Teilnehmer an vielen Schulen rückläufig, ja es gibt an einigen Schulen gar keine Konferenz mehr, in der an der »Menschenkunde« gearbeitet wird.
Die Schulführungs- oder Schulleitungsgremien bestehen aus vielen Mitgliedern, darunter sind vielleicht zwei bis drei Mitglieder der anthroposophischen Gesellschaft oder Menschen, die sich anthroposophisch weiterbilden. Hier wird unmittelbar klar, dass bei Abstimmungen und Entscheidungen über die zu lösenden Fragen keine Mehrheit der Menschen, die anthroposophisch arbeiten, möglich ist. Meist überstimmen die Lehrer, die aus unterschiedlichen geistigen Richtungen kommen – seien es konfessionelle oder andere – die wenigen »Anthroposophen«.

Angesichts dieser Situation drängt sich die Frage auf, ob die Waldorfschulen noch Schulen aus anthroposophischen Grundimpulsen geleitete Institutionen sind.

Zum Autor: Dietmar Kasper ist Oberstufenlehrer für Mathematik und Physik.
Aus www. erziehungskunst.de

Für die Eigenarbeit: „Die geistig-seelischen Grundkräfte der Erziehungskunst“ von R. Steiner Zwölf Vorträge, gehalten in Oxford vom 16. bis 29. August 1922,

ausgesucht von Aleksa. S. Muszer

Märchenhafte Anfangszeit – 1. Klasse Waldorfschule

von Beatrice | 15. Oktober 2018 | Familie, Schule und Entwicklung, Waldorfpädagogik 1. Klasse Waldorfschule

Ich bin sehr froh und dankbar, dass unser Töchterchen ihre Schulzeit in einer Waldorfschule beginnen kann. Und ich bin endlich wieder Waldorfmama in der Anfangszeit. So, wie meine beiden Großen, die schon aus der Schule raus sind. Zum Vergleich haben wir dazwischen noch mal drei Kinder wenig begeistert ohne Alternative in die Staatsschule eingeschult … aber das ist eine andere Geschichte.

Märchenhafte Anfangszeit

Meine Tochter kommt NICHT mit seitenweise Arbeitsblättern zum Ausfüllen nach Hause und sie wird auch NICHT zu den Herbstferien alle großen und kleinen Buchstaben in der Schule gehabt haben. Es wird auch kaum Kinder geben, die zu Weihnachten Lesen können. Vielleicht können sie es nicht einmal im Jahr darauf. Und es wird in Ordnung sein. Es darf so sein!

Nebenbei sei erzählt, kann meine Tochter schon fast alle Buchstaben, weil sie fünf große Geschwister hat und sich nicht aufhalten lässt in ihren Interessen. Auch das stört nicht. Denn in der Schule wird jeder Laut eingebettet in eine Buchstabengeschichte. Überhaupt scheint der Schulalltag voller Geschichten, Lieder und Geschenke zu sein. Denn Waldorflehrer haben die Taschen voll mit Geschenken. Ob Wachsblöckchen, Flöte, Arbeitshefte, neue Lieder oder Erzählstoff, alles wird den Kindern als Geschenk dargeboten und entsprechend dankbar nehmen sie ihre Geschenke in Empfang. Wie bei meinen beiden Erstgeborenen habe ich keine Sorge, dass die Begeisterung meiner Tochter für die Schule und ihre Lehrerin in absehbarer Zeit abflauen könnte. Ganz anders war dies bei meinen mittleren Söhnen, die schon nach wenigen Tagen nicht mehr in die Schule wollten und erst Jahre später, fast zu spät, um noch glücklich zu werden, wieder in der Waldorfpädagogik ihren Platz finden konnten.

Der Tag fängt früh an

Trotz großer Erschöpfung in den ersten Wochen – weil der Schulweg sehr weit ist (43 km einfache Strecke), der Tag sehr lang, das Aufstehen am Morgen sehr früh – liebt meine Tochter es, jeden Tag die Schule zu besuchen. Wie sollte es auch anders sein, wenn jeder Schul-Vormittag in ein ganz besonderes Land führt …

Die Wachsblöckchen von Stockmar beispielsweise, welche anstelle von Bunt- und Bleistift in der Anfangszeit ausschließlich genutzt werden, haben nicht einfach eine breiteste, mittlere und schmale Kante, mit der gemalt und geschrieben werden kann. Sie haben eine Bären- (breiteste Seite), Hunde- und  Katzenpfote und die Ecken heißen Mäuszähnchen. Das ist natürlich von LehrerIn zu LehrerIn etwas anders.

Wesentlicher Unterschied zum sachlich und inhaltlich durchstrukturierten Unterricht an der staatlichen Schule ist, dass der gesamte Unterricht an einer Waldorfschule in seiner Gestaltung einem Kunstwerk gleicht oder sich diesem zumindest anzunähern versucht.

In den ersten Wochen war Formenzeichnen an der Reihe. Da wurden Schleier auf das Blatt gelegt, gerade und gebogenen Linien gemeinsam um ein Feuer platziert, sodass sie sich zu Quadraten, Rechtecken und Kreisen schlossen, Katzenbuckel und Suppenschüssel aneinandergereiht oder ineinander gefügt.

Die pentatonische Flöte hat auch inzwischen Einzug gehalten und hier zu Hause klettern die kleinen Finger als Zwerglein die Flöte hinauf, einige Verse kann ich ihrem Gemurmel dabei entnehmen. Der Daumen schließt das Zwergentor …

Jeden Tag fließen auf dem Rücksitz die Lieder aus dem Unterricht vollständiger aus dem singenden Mund meiner Tochter, wenn ich sie vom Bus oder direkt von der Schule abhole.

Und über allem liegt dieser Zauber der Verwandlung vom Spielkind zum lernenden Schulkind. Sanft und liebevoll, denn der Ernst des Lebens hat an diesem Ort keinen Platz gefunden. Wohl aber die Ernsthaftigkeit und Ehrfurcht vor dem SEIN und WERDEN des Kindes.

Quelle: https://beatriceluehrig.de/blog/1-klasse-waldorfschule-maerchenhafte-anfangszeit/25265d70-7db9-4a56-b6eb-d7d2d86bffea/

Pädagogisch Wertvolles – Verabschiedung unserer Rosenkinder

Unsere Vorschulkinder, die wir „Rosenkinder“ nennen, verabschieden wir jedes Jahr. Die Reise für unsere „Großen“ geht weiter.

Wie haben sie das ganze Jahr geleuchtet! Sie waren ein bewundertes Vorbild, uns Erziehern waren sie an vielen Stellen eine verlässliche Hilfe. Viele Fähigkeiten haben sie sich in ihrer Kindergartenzeit angeeignet und schauen jetzt selbstbewusst und freudig und gespannt auf ihre Schulzeit.
Denn: Es wartet nach dem Sommer die Schule. Eine Zeit sind wir uns begegnet. Und ich hoffe jedes Jahr gleich stark, dass die Kindergartenzeit lichte verankert bleibt  – wie ein kleiner Stern – auf der langen Zeitlinie des Lebens von unseren lieben „Absolventen“.

Bevor die Rosenkinder der Schule anvertraut werden, widmen wir ihnen eine innige Abschlussfeier.
Jedes Jahr, im Juli, ist es in unserem Waldorfkindergarten soweit: um 12:00 Uhr sind alle da.
Die Musik erklingt, es folgen die Begrüßungsworte. Die ganze Kindergartengemeinschaft hält den Atem an! Der Moment des Abschieds ist gekommen. Ich erzähle den Kindern das Märchen „Die vier kunstreichen Brüder“ die in die weite Welt gingen, um ein Handwerk zu lernen. Nach den vielen Lernjahren kehren sie zurück, und befreien die Königstochter. Wobei jeder von ihnen seine Fähigkeiten einsetzen muss.

Nach der Erzählung werden an die Kinder die Kronen verteilt. Auch bei uns haben sie „ausgelernt“. Mit den kleinen Geschenken, den Engelsbildern, empfangen die „Rosenkinder“ die kleinen symbolischen Gaben. Sie würdigen den Kindergartenweg.
Es folgt gemütliches Beisammensein. Jede Familie bringt eine Kleinigkeit mit (Kuchen, belegte Brote, Obst, Salat). So entsteht eine gemeinsame, schöne Tafel! Und so können wir gemütlich beisammen sein; uns verabschieden und nachsinnen.
Natürlich sind die Eltern dabei: Sie sorgen für die feierliche Stimmung. Es ist ein bewegendes Erlebnis für die ganze Gemeinschaft. Die Vorschulkinder verlassen nämlich nicht nur den Kindergarten, sie verlassen auch die Zeit der unbeschwerten Kindheit.
Auf den Rosen gebettet. Die Vorschulkinder bekommen (unter anderen) einen großen „Bund“ der aus Krepppapier gemachten Rosen.

Inmitten eines Gartens wuchs ein Rosenstrauch,
der war ganz voller Rosen,
und in einer davon, der schönsten von allen,
wohnte ein Elf; er war so winzig klein,
dass kein menschliches Auge ihn sehen konnte,
hinter jedem Blatt in der Rose
hatte er so wohlgestalt und hübsch,
wie ein Kind nur sein konnte,
und hatte Flügel an den Schultern,
hinab bis zu den Füßen.
Oh, es war ein Duft in seinen Zimmern,
und wie hell und schön waren die Wände!
Sie waren ja die feinen hellrosa Rosenblätter.
Hans Christian Andersen (1805 – 1875)

Aleksa Muszer

Poetisches für den pädagogischen Jahresabschluss

Die 12 Monate

Es war einmal eine Mutter mit vielen Kindern. Die Mutter war arm. Die Kinder waren arm.
Eines Tages ging die Mutter in den Wald um Holz zu suchen. Auf dem Weg begegneten ihr 12 Jünglinge. Das waren die 12 Monate.
Die 12 Monate grüßten die Mutter. Sie fragten: „Welcher von den 12 Monaten ist der schönste?“ Die Mutter dachte eine Weile nach. Dann sagt sie: „Jeder Monat ist schön!
Im Januar liegt der weiße Schnee.
Im Februar kommt der lustige Fasching.
Im März sprießen die ersten Veilchen.
Im April blüht der Apfelbaum.
Im Mai duftet der Flieder.
Im Juni geht’s ins Heu.
Im Juli werden die Kirschen rot.
Im August wird der Weizen gelb.
Im September reifen die Äpfel am Baum.
Oktober macht die Trauben süß.
November webt alles in weißen Nebel ein.
Dezember bringt das liebe Weihnachtsfest.
Alle Monate sind schön!“
Als die 12 Monate das hörten, freuten sie sich. Sie sagten zur Mutter: „Gib uns dein Kopftuch!“ Die 12 Monate füllten das Kopftuch und gaben es der Mutter zurück. Die Mutter bedankte sich und ging nach Hause. Zu Hause machte sie das Kopftuch auf. Sie schüttete das Geschenk der 12 Monate auf den Tisch: Viele, viele Goldstücke waren das. Nun hatte alle Not ein Ende.

Ein griechisches Märchen

Jahresabschluss – der letzte Elternabend

Geh‘ aus mein Herz und suche Freud‘.

Dieses alte Volkslied drückt mit einfachen Worten genau das aus, was uns der Sommer schenken will. Die Schönheit der Welt präsentiert sich in prächtiger Farbigkeit. Wir dürfen genießen, schwelgen, uns freuen und vor Begeisterung aus uns herausgehen.
Rudolf Steiner drückt es im anthroposophischen Seelenkalender in der Johanni-Stimmung so aus:
„Der Welten Schönheitsglanz,
er zwinget mich aus Seelentiefen
des Eigenlebens Götterkräfte
zum Weltenfluge zu entbinden;
mich selber zu verlassen,
Vertrauend nur mich suchend
in Weltenlicht und Weltenwärme.“

In unserem Kindergarten geht das Kindergartenjahr 2018/2019 in wenigen Wochen zu Ende. Wir haben gemeinsam viel erlebt und sind dankbar für ein schönes Jahr, das wir gemeinsam verbringen konnten.

Der letzte Elternabend hat für uns eine wichtige symbolische Bedeutung. Er ist von einer besonderen Atmosphäre getragen: Die Arbeit ist fast getan, es ist sommerlich, man freut sich auf die Sommerpause, auf Urlaub in fernen Ländern oder im heimischen Garten.
Während des letzten Elternabends halten wir „Rückblick“. Und so haben wir es auch am 26. Juni 2019 getan. Jeder der Anwesenden bekam ein Blatt und bunte Stifte zur Verfügung. Auf der einer Seite des Blattes malten die Eltern ihr Kind; auf der anderen Seite trugen die Eltern ihren Lieblingsmoment des Jahres (Feste, Begegnungen, entscheidende Momente, witzige Begebenheiten,…). Ich bat um „ein Wort“ der Mitteilung.
Danach wurden die Blätter in die Mitte des Raumes hingelegt. So konnten wir das pädagogische Jahr Revue passieren lassen. Jeder zog ein Blatt und lass laut die eingetragene Jahresqualität vor. So war es gewesen.
Weiter ging es mit dem Planen der anstehenden Feste.

Notiz von Aleksa. S. Muszer

Pädagogisch Wertvolles um das Johannifest

JOHANNI Fest  –  Einstimmung

Johanniskäferchen

Es fliegt ein feurigs Männlein rum
zwischen Hag und Hecken,
hat ein goldigs Laternle um,
kann sich nicht verstecken.
Feurigs Männlein auf dem Hag,
gib mir deine Laterne ab!
Volksgut

Unser Johannifest feiern wir jedes Jahr um dem 24. Juni am Vormittag mit den Kindern. Rosengirlanden schmücken den Gruppenraum. Sie tragen zur sommerlichen Johanniatmosphäre bei. Es ist, als ob wir uns im Dornröschen – Schloss aufhalten würden. Ja, die Johannizeit! Wenn die Glühwürmchen schwirren, ist ein Zauber da. Nachts zeigen sie sich gerne auf den Wiesen oder an Waldrändern. Seit jeher ist besonders die Johannisnacht auch mit Zauberkräften verbunden. In den Märchen in dieser Nacht öffnen sich Berge, die mit Schätzen angefüllt sind. Man kann Elfen und Zwerge sehen. In den Seen hört man versunkene Glocken läuten.

Der 24. Juni wird in manchen Gegenden der christlichen Welt noch als Geburtstag des Täufers Johannes gefeiert; die Menschen richten ihren Blick auf die Sonne und das Licht, aber der Blick sollte tiefer gehen und dahinter den hohen Sonnengeist des Christus suchen.

Die Kinder leben in dem Rhythmus. Die Pflege von dem Jahresrhythmus beinhaltet bei uns die Jahresfeste. Und so begegnet uns wieder das Johannifest. Im Sommer ist die Erde hingegeben an Wärme und Licht. Der Mensch möchte in die Weite des Raumes hinauswachsen, ausbrechen.

„Kennt ihr nicht den Sieben-, den Sieben-, den Sieben-,
kennt ihr nicht den Sieben-, den Siebensprung?
Wer sagt, dass ich nicht tanzen kann?
Kann tanzen wie ein Edelmann.
Das ist eins.
Das ist zwei.
Das ist drei.
Das ist vier.
Das ist fünf.
Das ist sechs.
Das ist sieben.“

Unter vielen Tänzen ist dieser unser Lieblingstanz!

Wenn wir zur Sommerzeit wandern und spazieren gehen, singen wir auch. Unsere Johannilieder zünden die sommerliche Lebensfreude mit an. Der Johannigesang steigt bis zum Himmel empor. Dieses geht dann auf die Eltern beim Sommerfest nieder. Es brennt nämlich da das Feuer! Die ganze Gemeinschaft ist dabei.

Am Johannitag laufen wir einen fröhlichen Umzug mit den Kindern durch den Garten. Die Kinder tragen blumengeschmückte Stäbe. An der kleinen Feuerstelle halten wir inne und singen. Eine besondere Fest-Speise begleitet den Johannitag. So ist an diesem Tag eine kleine Tafel mit Blaubeeren und Johannisbeeren gedeckt, die sich die Kinder gut schmecken lassen. Der Kuchen darf natürlich auch nicht fehlen!

  • Wir springen über das Feuer,
  • tanzen Sommertänze (da wird das Herz leicht und ungestüm)
  • und singen Sommerlieder (Denn Musik erlöst vom Gesetz der Schwere und die Seele wird frei)
  • Die „Johanni Legende“ wird erzählt
  • Der Jahreszeitentisch ist mit einer Lilie, und auf der anderen Seite mit roten Rosen geschmückt. Der Bilderrahmen mit einem Bild Johannes des Täufers ist in der Mitte platziert.

„Lasst uns singen, lasst uns singen.
Sankt Johann Sankt Johann
von der Sonne, von der Sommersonne.

Lasst uns singen, lasst uns singen.
Sankt Johann Sankt Johann
von dem Feuer, von dem Sommerfeuer.

Lasst uns singen, lasst uns singen.
Sankt Johann Sankt Johann
von den Kindern, von den Sommerkindern.

Lasst uns singen, lasst uns singen.
Sankt Johann Sankt Johann
von der Rose, von der Sommerrose.

Singen wir von weiser Lilie
Sankt Johann, Sank Johann
Singen, singen wir von weiser Lilie“
Volksweise

Als Einstimmung auf den Sommer tragen wir, jeden Morgen, den Sommerbaum: Es ist ein Kreis, der auf einen Stab befestigt ist; und ringsum hängen, auf dem Kreis befestigt, die bunten Bänder, die kleinen Schmetterlinge und gefilzte Äpfel.
Die Kinder freuen sich sehr darüber, den „Sommerbaum“ zu tragen. Sie üben nebenbei hierbei auch das aufrechte Halten und den Gleichgewichtssinn. Dazu singen wir das Lied „Wir tragen den Sommerbaum…“
Die Glühwürmchen fliegen auch mit im Gruppenraum: Kleine goldene Laterne symbolisiert deren Flug und Leuchten. Auf einem Stab befestigt, mit den kleinen „Glühwürmchen“ drin hängend, ermöglicht sie den Kindern dies stellvertretend zu erleben.

Zusammengestellt von Aleksandra Muszer

 

JOHANNI  –  Innere Einstimmung

Im Waldorfkindergarten feiern wir die christlichen Jahresfeste. Sie bilden einen roten Faden im Jahreslauf. Die Feste spiegeln die spirituellen Punkte im Jahresrhythmus wieder. Wir leben auch den Wandel der Jahreszeiten.

Und zu Johanni ist es der Sommer: Der Sommer, der wirkt, mit seiner Helligkeit und Hitze. Er lässt unser Bewusstsein glühen und wir sind begeistert von der Schönheit der Natur.

Die Kinder bekommen in unserem Kindergraten für das Johannifest (danach für die Sommerzeit) einen wunderschön wirkenden Raum zu sehen. Wir sagen oft dazu „der Raum ist durchdrungen“ und er gibt Bild der im Kosmos und auf der Erde wirkender Kräfte wieder.

Dieses setzt voraus: Die Erkenntnisarbeit der Erwachsenen.
Ganz einfach formuliert: Er weiß zu dem Fest.
Und aus dem Bewusstsein wird der Raum, der Jahreszeitentisch, das Fest gestaltet.
Die Kinder wissen natürlich nichts davon. Sie bekommen es zu sehen; sie erleben es.

Ich möchte gerne am Beispiel des Johannifestes zeigen, wie so eine „innere Vorbereitung“ ausschauen könnte. Es ist schlichtweg meine Arbeitsweise, die ich als seelische – geistige Hygiene pflege.

Zuerst jedoch das Grundprinzip der Waldorfpädagogik im ersten Jahrsiebt: Vorbild und Nachahmung. Darauf ist die ganze pädagogische Haltung aufgebaut. Nicht nur Taten, Gesten, Mimik der Erzieher wird nachgeahmt, sondern auch das Seelisch – Geistige. Was da ist, geht von dem Erzieher auf das Kind über; klingt innen nach.

Es lag Dr. Rudolf Steiner außerordentlich am Herzen, dass dies nicht geschehen sollte, dass ein unwahrhaftiges Verhalten in der Nähe des kleinen Kindes nicht gelebt wird. Es greift nämlich in die Organisation des Kindes tief hinein.

Es ist sehr wichtig für die Erziehung des kleinen Kindes, dass der erwachsene Mensch neben dem Kinde so lebt, wie eben sein eigenes Leben ist; mit allem seinem Streben und Ringen. Dass er neben dem Kinde ganz Mensch ist in aller Wahrhaftigkeit steht.
Was ich innerlich nicht habe; was ich innerlich nicht bewusst pflege, geht also nicht auf das Kind über.
Deswegen: Vor jedem Fest mache ich mir die dazu gehörigen geisteswissenschaftlichen Hintergrunde bewusst. Von nichts, kommt nämlich nichts.
Ich hole mir ins Bewusstsein, dass der Erzengel Uriel der Regent der Hochsommerzeit ist, wie es Rudolf Steiner in der Johanni-Imagination ausführlich geschildert hat. Nach Rudolf Steiner steht er als strenge Gestalt in schwachem, bläulichen Glanz in Norden. Uriel bedeutet: Feuer Gottes – Gott ist mein Licht. Von den vier Wesensgliedern des Menschen entspricht ihm, da er die Kräfte des alten Saturn repräsentiert, der physische Leib und von den Elementen das Erdelement.
Ein zuckender Blitz ist oft sein Symbol. Uriel vermittelt die Kraft, zielorientiert zu handeln, vermittelt Inspirationen und Erkenntnisse. Der Drang nach Schöpfung schlummert in uns allen, es fehlt oft nur an Mut und Tatkraft diesen Drang auszurichten. Hier trifft das Wort: Feuer und Flamme für eine Aufgabe oder ein Ziel sein.

Dann lese ich Johanni Imagination von Rudolf Steiner:

Johanni
„Und gehen wir im Jahreslauf, ich möchte sagen, in der Atmung der Erde weiter, dann finden wir, wie im Juni die Erde den dritten Zustand hat. Die Erde hat an dem Fleck, den wir jetzt beobachten, ganz ausgeatmet. Das ganze Seelenhafte der Erde ist in den kosmischen Raum hinaus ergossen, das ganze Seelische der Erde ist dem kosmischen Raum hingegeben. Das Seelenhafte der Erde durchtränkt sich mit der Kraft der Sonne, mit der Kraft der Sterne. Der Christus, der mit diesem Seelenhaften der Erde verbunden ist, vereinigt auch seine Kraft mit der Sternenkraft und der Sonnenkraft, die da fluten in dem an das kosmische All hingegebenen Seelenhaften der Erde. Es ist Johanni, es ist Johannizeit. Die Erde hat voll ausgeatmet. Die Erde zeigt in ihrer äußeren Physiognomie, mit der sie hinausblickt zum Weltenall, nicht ihre eigene Kraft, wie sie sie in sich zeigte zur Wintersonnenwende, die Erde zeigt auf der Oberfläche die rückstrahlende Kraft der Sterne, der Sonne, alles dessen, was kosmisch außer ihr ist.

Die alten Eingeweihten haben besonders lebhaft, namentlich in den nördlichen Gegenden Europas, den inneren Sinn und Geist dieser Zeit, unserer Junizeit, gefühlt. Sie haben ihre eigene Seele mit der Erdenseele in dieser Zeit hingegeben gefühlt den kosmischen Weiten. Sie haben sich lebend gefühlt nicht innerhalb des Irdischen, sondern in den kosmischen Weiten. Und vor allen Dingen haben sie sich etwa das Folgende gesagt: Wir leben mit unserer Seele in den kosmischen Weiten. Wir leben mit der Sonne, wir leben mit den Sternen. Und wenn wir den Blick zurückwenden auf die Erde, die sich erfüllt hat mit sprießenden, sprossenden Pflanzen, die alles mögliche an Tieren hervorgebracht hat, dann sehen wir in den sprießenden, sprossenden Pflanzen, in den farbenentfaltenden, farberglitzernden Blumen, sehen in den hin und her sich bewegenden Insekten, in den die Luft durchmessenden Vögeln mit ihren mannigfaltigen farbigen Federdecken wiederum von der Erde wie spiegelnd zurückglänzen dasjenige, was wir in die Seele aufnehmen, wenn wir gerade die Erde verlassen und uns mit dem hinausflutenden Atem der Erde verbinden, um kosmisch, nicht irdisch zu leben. Aber was sich da tausendfältig farbig, sprießend, sprossend, von der Erde hinauswachsend zeigt in den Weltenraum, das ist von derselben Art. Nur ist es eben die Reflexion, die rückstrahlende Kraft, während wir die direkte Kraft in unseren Menschenseelen tragen. – Das war das Sich-Fühlen derjenigen Menschen, die inspiriert waren von den Einweihungsstätten, welche insbesondere das Sommersonnenwendefest verstanden. So sehen wir hineingestellt das Johannifest in den großen Atemzug des Irdischen gegenüber dem Kosmos.

Schaue unser Weben,
Das leuchtende Erregen,
Das wärmende Leben.
Lebe irdisch Erhaltendes
Und atmend Gestaltetes
Als wesenhaft Waltendes.
Fühle dein Menschengebeine
Mit himmlischem Scheine
Im waltenden Weltenvereine.
Es werden Stoffe verdichtet,
Es werden Fehler gerichtet,
Es werden Herzen gesichtet.“

In der Johanni – Imagination schildert Rudolf Steiner, wie die individuelle Stimme des Gewissens wird sich erweitern zu einem Gewissen für die gesamte durch Christete Menschheitsentwicklung. Dadurch kann ein wirkliches historisches Gewissen entstehen.

Ich mag auch sehr gerne jedes Jahr die zwei Vorträge zu erfrischen: aus GA 223 , den Vortrag von 7.04.1923 und den von 2.04.1923. Die Schilderungen darin geben mir die Inspirationen, wie ich den Gruppenraum gestalten könnte oder was für ein Schwerpunkt ich in der Festgestaltung fixieren möchte. Die Entsprechungen zwischen den Makro- und Mikrokosmos helfen mir dabei.
(Tänze im Tageslauf; Blumen im Gruppenraum; Elfenmobile; Bild mit der Mutter Maria , Jesuskind und Johannes dem Täufer auf dem Jahreszeitentisch; Elemetarwesen im Reigen, und so weiter)

Ohne Grundlagenarbeit gibt es keine Pädagogik. Ohne Anthroposophie geht die Waldorfpädagogik nicht. Sie ist kein mysteriöser Überbau, sondern ein Erkenntnis- und Schulungsweg, der die Phänomene der Welt erschließt.
Die anthroposophischen Grundlagen sind es auch, die die Waldorfpädagogik so einmalig machen; irdisch und kosmisch zugleich.

Im Dienste ihrer Majestät der Waldorfpädagogik: Mein Weg zum Erziehungskünstler. Die Lebensaufgabe.

Aleksa Muszer

Literatur:

  1. Rudolf Steiner: Der Jahreskreislauf als Atmungsvorgang der Erde und die vier großen Festeszeiten. (GA 223), Dornach/ Schweiz, 1990 |
  2. Rudolf Steiner:   Der Christus-Impuls und die Entwicklung des Ich-Bewusstseins. (Bibliographie-Nr.116), 4.
  3. Die Rudolf Steiner: Das Miterleben des Jahreslaufes in vier kosmischen Imaginationen, GA 229 (1984),
  4. Emil Bock: Der Kreis der Jahresfeste, Stuttgart 1981
  5. Ein Sommer – Johanni – Rosen Heft von der IWV

 

JOHANNI  –  Reigen

Lied (wir gehen heiter im Kreis)
„Lachend, lachend, lachend, lachend kommt der Sommer über das Feld,
über das Feld kommt er lachend, ha ha ha lachend über das Feld“
Volkslied

Im Sommer wollen wir zu den Zwergen gehen
Und mal auch schauen, was geschehen.
Tausendfein und ganz grün vermoost
steht ein Haus auf der Wiese dort.
Wir schauen rein.
Seid leis’, wer mag darinnen sein…
(gesprochen, reduzierte Gebärden dazu )

Was machen denn die Zwerge des Vormittags halb acht:
Sie springen aus dem Bettchen, die Zwerge sind erwacht.
Was machen denn die Zwerge des Vormittags halb neun:
Sie gehen auf die Wiese, sie gehen in die Scheun’.
Was machen denn die Zwerge des Vormittags hell zehn:
Sie hacken ihre Hölzchen, sie hacken ihre Hölzchen
Die Kleinen und die Großen.
Was machen denn die Zwerge des Vormittags halb elf:
Sie klettern in den Blättern, sie klettern bis halb zwölf.

Was machen denn die Zwerge des Mittags um halb zwölf:
Sie kochen ihre Suppe und essen wie die Wölf’.
Was machen denn die Zwerge des Mittags um halb eins:
Sie putzen ihre Schuhe, sie putzen ihre Schuhe
Einen großen Schuh und einen kleinen dazu.
Was machen denn die Zwerge des Mittags um halb zwei:
Sie füttern ihre Kinder, sie füttern ihre Kinder
Mit Eiern und Popei.

Was machen denn die Zwerge des Nachmittags halb drei:
Sie sehn, dort schläft ein Häschen und gehen leis’ vorbei
Und gehen leis’ vorbei.
Was machen denn die Zwerge des Nachmittags halb vier:
Sie tun die Beeren in ihr Körbchen,
und schenken es dir!
Was machen denn die Zwerge des Nachmittags halb fünf:
Sie springen in die Pfütze, sie springen in die Pfütze
Und nass sind Schuh’ und Strümpf’.

Was machen denn die Zwerge des Abends um halb sechs:
Sie gehen in den Wald und necken eine Hex’.
Was machen denn die Zwerge des Abends um halb sieben:
Sie tanzen all im Kreise, Sie tanzen all im Kreise
Weil sie sich alle lieben.
Was machen denn die Zwerge des Abends um halb acht:
Sie gehen in ihr Bettchen, sie gehen in ihr Bettchen,
und sagen Gute Nacht.
Volksgut
* zu dem Text die Gebärden ausführen; die Kinder ahmen nach. Wir gehen dabei im Kreis

Seht von dem hohen, hohen Berge
Gehen, gehen kleine Zwerge.
Horch … sie sprechen eine andere Sprache
Da können wir lustig lachen.
(gesprochen)

„My jestesmy krasnonludki hopsa, hopsasa
pod grzybkami nasze budki hopsasa, hopsasa
Jemy muszki, zabie lapki oj tak,tak, oj tak tak.
A na glowach krasne czapki, to nasz znak, to nasz znak.
Gdy kto zbladzi to trabimy truru truru
Gdy kto senny to uspimy lulu lulu
Gdy kto zdrzywdzi krasnoludka ojoj ojoj
To zaplacze niezabudka ojoj ojoj”
Volksgut Polish
*gesungen mit den Gebärden dazu

Und husch sind die Zwerge weg!
Fenster zu! Es ist Ruh’
Schaut noch raus:
Ist verschwunden das kleine Zwergen – Haus.

Tanz
Im Sommer wollen wir nach Holland gehen.
Wir wollen schwimmen in den blauen See.
Da sehen wir den Fischer und die Fischersfrau,
das Röckchen rot, die Strümpfe blau.
Er hat Hosen wie ein Rock so weit,
sie hat ein Häubchen auf zu jeder Zeit.
Und was sollt man dazu meinen,
Holzschuh an den Beinen,
sie tanzen, tanzen, tanzen den Holzschuhtanz.

Zusammengestellt von Aleksandra Muszer

 

JOHANNI – Märchen

Nach Bronja Zahlingen von Frau Hinz (Posthum)

Das Johanniskraut
Es war einmal ein kleines Mädchen, das wohnte mit seiner Mutter in einem Häuschen am Ende des Dorfes. Sie hatten einen kleinen Garten, darinnen wuchsen Kräuter und Gemüse, und was sie sonst zum Leben brauchten.
Das Kind spielte den ganzen Tag im freien – es freute sich an Blumen und Schmetterlingen, es lauschte den Vöglein und sprang über das Bächlein. Abends saß es gerne auf einem Stein vorm Haus und sah zu, wie die Sonne schlafen ging.
Einmal, als die letzten Sonnenstrahlen auf seine Augen fielen, sprang eine Kröte aus dem Gras, blieb vor ihm sitzen und guckte es mit ihren goldenen Äuglein an. „Was mag die Kröte wollen?“, dachte das Mädchen, „ich will sie fragen“.
„Kröte, Kröte, was willst du haben,
süße Milch, um dich zu laben?
Bist du hungrig armes Ding?
Hier ist Milch, so komm doch und trink!“
Es stellte der Kröte ein Schälchen Milch bereit und diese trank es sehr zufrieden leer, dann sprang sie wieder fort. Von da an stellte das Kind jeden Abend Mich für die Kröte vors Haus und diese kam auch, sie zu trinken.
Einmal aber, im Frühsommer, wurde die Mutter krank. Endlich musste sie sich ins Bett legen. Das Mädchen pflegte sie, so gut es konnte; es sorgte auch für den Garten.
Es war gerade Johanni. Da wollte es in den Wald gehen, Beeren pflücken für die Mutter und einen Blumenstrauß. Es holte sein Körbchen und wanderte. Nach einer Weile setzte es sich auf einen Baumstumpf, sein Mittagbrot zu verzehren. „Ein Stücklein Brot möchte ich gerne mit den Gnömchen teilen“, dachte es. „Die Mutter sagt, sie haben es gerne, wenn man mit ihnen teilt. Ob sie hier unter der Wurzel wohnen oder dort hinterm Stein? Keins lässt sich sehen. Nun, so will ich ein Stückchen Brot hier ins Moos legen, da können sie holen, wann sie wollen“.
Kaum aber hatte es das Brot ins Moos gelegt, hörte es ein leises Kichern, und richtig, da sah es ein rotes Mützchen; ein Zwerglein kam gesprungen und noch mehr. Horch, was sie flüstern:
„Wir kichern und kaspern,
wir wispern und waspern,
klippern und klappern,
wir knicken und knacken,
willst du uns packen? –
husch sind wir fort!“
Sie schienen ihm zu winken. Es eilte hinter ihnen her. Nun waren sie verschwunden, doch da kamen sie wieder daher. Jetzt wieder der Große, dann wieder die Kleinen, und das Mädchen eilte ihnen nach. Es sprang über Moos und Steine, die roten Mützen sah es ganz deutlich. Jetzt waren sie verschwunden. Aber als es sich bückte, da fand es ganz viele rote, süße Beeren. Es pflückte sein Körbchen voll und aß sich satt; dann war es müde, setzte sich hin, und weil es Abend wurde, schlief es ein. Da hatte es einen Traum.
Die Kröte saß vor ihm, guckte es mit ihren Goldäuglein an und sprach:
„Suche das Johanniskraut,
und hast es gefunden,
wohl in der Johanninacht,
so heilt sie alle Wunden.“
Nun erwachte das Mädchen – es war Johanninacht – die Kröte war verschwunden, aber das Sprüchlein wusste es ganz genau.
Es machte sich auf, die Blume zu suchen, am Himmel funkelten die Sterne, und über ihm in der Luft blitzte es hell auf. Glühwürmchen waren es mit ihren Laternchen, Johanniswürmchen, die flogen vor ihm her.
„Hoch im Purpur, golden – grün.
Die Johanniswürmchen glühn.
Sommerwärme leuchtend künden,
Licht im Innern zu entzünden.“
Es folgte ihnen, bis es an einen Wasserfall kam, der vom Berge herab sprang. In silbernen Wellen schwammen Nixlein, die spielten mit dem Ball und sangen;
„Im strömenden Wasser,
an moosigen Quellen,
da spielen die Nixen
in silbernen Wellen.“
Weiter flogen die Johanniswürmchen.
„Hoch im Purpur, golden – grün.
Die Johanniswürmchen glühn.
Sommerwärme leuchtend künden,
Licht im Innern zu entzünden.“
Nun waren sie auf einer Lichtung und in hellen Mondschein schwebten die Elfen und tanzten über den bunten Blumen.
„Wo Blumen erblühen,
wo Gräser sich neigen,
da schweben die Elfen
im seligen Reigen.“
Weiter noch flogen die Glühwürmchen bis an eine Bergeshöhle. Bei der Höhle saß die Kröte auf einem Stein und winkte. Plötzlich tat sich der Berg auf. In hellen Sonnwendfeuer loderten Feuermännlein auf und ab, tanzten in flackernden Flammen, zischten und züngelten leis’ vor sich hin:
„Johanniskraut im grünen Grund,
wer heut es pflückt, wird gesund.“
Das Mädchen schaute auf den grünen Grund: da wuchs es, das Johanniskraut, nach dem es gesucht hatte. Es pflückte ein Sträußlein. „Danke!“ sagte es ganz laut, da war alles verschwunden. Nur die Johanniswürmchen flogen in der Höhe und führten es nach Haus.
Das Mädchen war heimgekommen. Es bereitete der Mutter gleich einen Tee vom Johanniskraut, und wie die ihn getrunken hatte, fühlte sie sich gleich besser, bald konnte sie aufstehen und in drei Tagen war sie wieder ganz gesund. Das Johanniskraut hielten sie beide hoch in Ehren und die Kröte erhielt weiter jeden Abend ihr Schüsselchen Milch.

 

Während der Ausbildung haben wir uns das Märchen als Marionetten – Spiel einstudieren müssen. Es war sehr anspruchsvoll: Nähen der Figuren, war nicht nur so ein Nähen. Frau Hinz (unsere Dozentin) las dazu die Texte zu den Elementarwesen; danach durften wir zuerst diese nähen. Ich sehe die Bilder noch heute vor mir!
Die Figuren von dem Mädchen und der Mutter wurden von einem Kreis her genäht. Frau Hinz hat uns diese ihre ganz eigene Technik beigebracht. Das Gereimte wurde immer gesungen.

Aleksandra Muszer

Erzähl mir ein Märchen

„Die Mythen und Märchen gehen so in dieser Weise der Menschheitsevolution verloren, aber die Kinder sollte man nicht so aufwachsen lassen. Es ist ein großer Unterschied, ob man das Kind mit oder ohne Märchen aufwachsen lässt. Die die Seele beschwingende Kraft der Märchenbilder tritt erst später hervor. In einem Lebensüberdruss zeigt es sich später, wenn nicht Märchen gegeben wurden, in einer Langeweile. Ja sogar ühysisch kommt es zum Ausdruck, auch gegen Krankheiten können Märchen helfen. Was durch die Märchen hineingeträufelt wird, dass kommt als Lebensfroheit, Lebenssinn später heraus, kommt als Möglichkeit, mit dem Leben fertig zu werden, noch im spätesten Alter zum Vorschein. Es müssen die Kinder in ihrer Jugend, wo sie sie noch erleben können, erleben die Kraft des Märcheninhaltes. Wer nicht vermag mit Vorstellungen zu leben, die für den physischen Plan keine Wirklichkeit haben, der stirbt für die geistige Welt. Und viele Philosophien, die sich nur stützen wollen auf den physischen Plan, sind Sterbemittel für die Seele. Aus der äußeren Evolution werden die Sterbemittel für die geistige Welt. Die Menschheit muss kommen zu einem Urteil, dass nicht gestützt ist auf Äußeres, sondern in sich selbst sich stützt. Immer mehr muss sie kommen zu dem: Ich glaube, was ich weiß.“
Rudolf Steiner in GA 154, S. 129

 

Das Mädchen und die Fee

Schweiz
Im Oberried wohnten arme Leute. Der Vater war an der Arbeit, und die Mutter befahl ihrem achtjährigen Mädchen, die Hebamme zu holen. Es machte sich sogleich auf, und unterwegs begegnete ihm eine Frau. Sie fragte das Mädchen, wohin es gehen wolle, und da es erwiderte, es müsse eiligst die Hebamme holen, erklärte sie: „Ich bin’s.“ So kehrten sie zusammen heim, und sie hat ihre Sache recht gemacht. Als sie sich verabschiedete, nahm sie das Mädchen bei der Hand und nötigte es, sie zu begleiten. Zusammen stiegen sie das Oberlaubhorn hinauf.
Da öffnete sich ein Tor. Sie gingen hinein, und an den Wänden hingen große Goldklumpen. Da legte die Frau dem Mädchen Kohlen in die Schürze und verschwand.
Es bekam Angst und eilte hastig dem Ausgange zu. Doch unterwegs verlor es die Kohlen, und eine unsichtbare Hand hob sie immer wieder auf und legte sie in seine Schürze.
Eine Stimme rief ihm nach: „Je mehr du zatterst, wie minder du hattest.“
Auf das Geheiß der Mutter legte es daheim die Kohlen in den Keller, und als es sie da noch einmal vom Boden aufhob, waren sie pures Gold.

Aus: Küffer, G. Sagen aus dem Obersimmental (Lenk), Archiv für Volkskunde Bd. 17, 1913

 

Von den drei goldenen Schlüsseln

D. Jecklin

Drei arme Brüder gingen hinaus in die weite Welt um Schätze zu suchen und trennten sich vor den Toren der Stadt. Der Älteste gelangte in ein ödes Gebirge, wo er eine Fee fand, die ihn in ihren Dienst nahm. Diese bewohnte ein marmornes Schloß auf granitenem Grunde.
Als ein Jahr vergangen, sagte die Fee zum ältesten der drei Brüder: „Ich muss fort und komme eine lange Zeit nicht. Inzwischen aber bist du der Hüter meines Schlosses und dir übergebe ich die drei goldenen Schlüssel zu den drei verschlossenen Zimmern. Das Zimmer rechts und das Zimmer links darfst du öffnen, nicht aber so dir dein Leben lieb ist, das Zimmer in der Mitte, in welchem alle Herrlichkeiten der Welt liegen.“ Sprach’s und verschwand. Und der junge Mann öffnete die Türe links und erschaute des roten Goldes die Fülle. Dann öffnete er die Türe zum Zimmer rechts und wich zurück, geblendet von smaragdenem Glanze. Vor der Türe in der Mitte aber blieb er bebend stehen, den Kampf kämpfend zwischen Pflicht und Neugierde. Die letztere siegte; er öffnete das Tor und ihn umblitzte in unbescheiblicher Pracht alle Herrlichkeit der Welt. Kaum aber hatte sein Auge gesehen, was zu sehen dem Menschen nicht vergönnt, da fühlte er seine Glieder erlahmen und erkalten und er verwandelte sich in einen schwarzen Marmorstein.
Nach Jahr und Tag kam der zweite Bruder des Weges gegangen, trat ebenfalls in den Dienst der Fee, erhielt die drei goldenen Schlüssel, ließ sich aber auch von der Neugierde verleiten, öffnete das mittlere Tor und ward zu einem grünen Marmorstein. Zuletzt erschien der jüngste Bruder im Schlosse und nahm, wie seine Vorgänger, Dienst bei der Fee, erfüllte aber alle Bedingungen, öffnete die Türe links, öffnete die Türe rechts und ließ das Tor in der Mitte verschlossen. Da stund die gütige, anmutstrahlende Fee vor ihm, legte die Hand auf sein Haupt und vor ihm erschloss sich in blendendem Schimmer die Herrlichkeit der Welt. Die Fee berührte dann den schwarzen und grünen Marmorstein mit einer Rute, gab den verzauberten Brüdern ihre frühere Gestalt wieder und hieß die drei sich mit Schätzen beladen und gehen. Das taten die Brüder und gingen dankend von dannen. Als sie aber das Antlitz zurückwendeten, war vom Schlosse nichts mehr zu sehen und wo sich die stolzen Hallen aufgetan, stund eine schwarze Felsenwand.

Quelle: Jecklin, Dietrich: Volkstümliches aus Graubünden. 3 Teile, Zürich 1874, in Surrhein bei Somvix erzählt

 

„Und weil das Märchen so mit dem Innersten der Seele zusammenhängt, mit dem, was so tief mit dem Innersten der Menschenseele zusammenhangend ist, deshalb ist das Märchen gerade diejenige Form der Darstellung, die für das kindliche Gemüt am angemessensten ist. Denn man darf vom Märchen sagen, es habe es dahin gebracht, das Allertiefste im geistigen Leben in der allereinfachsten Weise zum Ausdruck zu bringen. Man empfindet eigentlich nach und nach, dass es in allem bewussten künstlerischen Leben keine so große Kunst gibt als die Kunst, die den Weg vollendet von den unverstandenen Tiefendes Seelenlebens zu den reizvollen, oftmal spielerischen Bildern des Märchens…

Daher tun wir, dem Kinde für die Seele keine größere Wohltat, als wenn wir auf seine Seele wirken lassen, was so Menschen-Wurzeln mit Daseins-Wurzeln zusammenbringt. Weil das Kind noch an der eigenen Gestaltung schöpferisch tätig sein muss, weil es noch die gestaltenden Kräfte selbst für sein Wachstum, für die Entfaltung aller seiner Anlagen hervorbringen muss, deshalb empfindet es so wunderbare Nahrung für seine Seele in den Bildern des Märchens, in denen es wurzelhaft mit dem Dasein zusammenhängt. Und weil der Mensch, selbst wenn er sich dem rationalistisch- Verstandesmäßigen hingibt, doch nie von des Daseins Wurzeln losgerissen werden kann, und weil er, wenn er gerade am meisten dem Leben hingeben sein muss, am intimsten mit des Daseins Wurzeln zusammenhängt, deshalb kehrt er, wenn er nur gesunden, geradsinnigen Gemütes ist, in jedem Lebensalter freudig zum Märchen zurück. Denn es gibt kein Lebensalter, es gibt keine menschliche Lage, die uns demjenigen entfremden könnte, was aus dem Märchen strömt, weil wir aufhören müssten mit dem Tiefsten, was mit der Menschennatur zusammenhängt, wenn wir keinen Sinn mehr für das hätten, was sich von diesem Sinn der Menschennatur, der so unverständlich ist für den Verstand, ausdrückt in den selbstverständlichen Märchen und in der selbstverständlichen, einfachen, primitiven Märchenstimmung.“

Rudolf Steiner aus GA62, S. 349

Pfingsten

Pfingstfest im Kindergarten

Wo Sinneswissen endet / Da stehet erst die Pforte,
Die Lebenswirklichkeiten / Dem Seelensein eröffnet;
Den Schlüssel schafft die Seele / Wenn sie in sich erstärket
Im Kampf, den Weltenmächte / Auf ihrem eignen Grunde
Mit Menschenkräften führen; / Wenn sie durch sich vertreibt
Den Schlaf, der Wissenskräfte / An ihrem Sinnesgrenzen mit Geistesnacht umhüllet.

Pfingstspruch von Rudolf Steiner

 

Frohe Botschaft

Lass nur zu deines Herzens Toren
Der Pfingsten vollen Segen ein.

Getrost, und du wirst neugeboren.
Aus Geist und Feuerflammen sein.“

Emanuel Geibel (1815-1884)

Das Freispiel

Pädagogisch wertvolles zum FREISPIEL

Das kleine Kind bringt eine Fülle geistiger Wahrnehmungen mit, die aber immer mehr von den irdischen überdeckt werden. Damit es nicht zu schnell und zu jäh geschieht, benötigt es ausgedehnte Zeiten des Spielens.
Ein Spiel ist in sich Wert genug. Es fragt nicht nach dem Nutzen außer sich selbst. Bei uns, im Waldorfkindergraten, ist es das Freispiel, das einen besonderen Stellenwert hat.
Ich suchte lange nach einer, für mich, inspirierender und schlüssiger Schilderung des Freispiels im Waldorfkindergraten; wo ich selber finde. Und ich fand: Es ist ein Artikel von Frau Marie -Luise Compani. Ich begegnete ihr auch persönlich während meiner Schulung zur Sprach – Entwicklungsbegleiterin.
Diese Beschreibung des Freispiels gebe ich hier mit der Erlaubnis der Autorin weiter. Viel Freude bei dem Lesen wünscht Ihnen Aleksa Muszer.

Das Freispiel im Kindergarten – ein wirklich freies Spiel?
Von Marie-Luise Compani

Erziehungskunst 4/2006

Das freie Spiel hat im Alltag des Waldorfkindergartens eine besonders herausgehobene Stellung. Die Pädagogen messen ihm zu Recht große Bedeutung zu, und der Ablauf des Tages gliedert sich um das freie Spiel drinnen wie draußen im Garten.
Das tiefste Bedürfnis eines Kindes ist zu spielen. Anfangs ist der Säugling und das Kleinkind sich selbst genug. Vom Kopf ausgehend bis hinunter zu den Füßen erobert sich der Säugling spielend seinen Körper. Sobald er in die Aufrechte kommt, beginnen »Guck-guck-da«- und »Wegwerf«-Spiele. Diese Spiele scheinen auf den ersten Blick sinnlos, sind aber im eminentesten Sinne organbildende Spiele. Das Kind trainiert die Augenlinsen auf nah und fern einzustellen; es trainiert, das Gleichgewicht zu finden.
Bis zum siebten Lebensjahr können so alle Spielaktivitäten des Kindes unter dem Gesichtspunkt der Organbildung betrachtet und verstanden werden. Der Menschenleib hat eine Aufgabe an sich zu verrichten, die wesentlich verschieden von den Aufgaben aller anderen Lebensepochen ist, da die physischen Organe in dieser Zeit sich in gewisse Formen bringen müssen.
Kinder, die heute in die Kindergruppen kommen, haben das dritte Lebensjahr erreicht und befinden sich von ihrer Entwicklung häufig noch in einer Spielphase, in der Material einfach ausgeschüttet, auf- und angehäuft wird, um dann zum nächsten Spielkorb zu gehen und das gleiche Spiel zu wiederholen.
Diese »jungen Kinder« gewähren zu lassen, erfordert viel Geduld und ein ständiges Aufräumen und Einsammeln des Spielmaterials.
Ich erlebte einmal zwei Kinder, die über einen langen Zeitraum immer das Gleiche spielten. Gleich nachdem sie frühmorgens ankamen, ergriffen sie die Gelegenheit zum Spielen. Sie holten alle Körbe mit den Spielmaterialien, um auf die Reise zu gehen. Dazu musste ja alles in den »Kofferraum« gepackt werden. Also wurden die Körbe in den »Kofferraum« geleert und los ging die Fahrt mit dem Auto. Am Ziel angekommen, konnten wir auspacken und das Material in die Körbe zurücklegen, damit es wieder für alle Kinder zugänglich war.
Es kostete mich und meine Mitarbeiterin einige Geduld, dieser Phase gelassen und ruhig zuzusehen und nicht beiden Kindern unsere Vorstellungen und Ideen eines Spiels aufzudrücken.
Als diese Phase des Materialhäufens abgeschlossen war, konnten beide Kinder unter den Spielmaterialien gezielt auswählen, brauchten nicht mehr alles zu sammeln, begannen zu teilen und sich am Spiel anderer Kinder zu beteiligen.

Die nächste Spielphase ist das phantasievolle Spielen. Alles ist jetzt möglich und für die Kinder Realität. Ob es sich nun um einen Taucher im Meer handelt oder ein wildes Tier, welches aus dem Zoo ausgerissen ist und alles auf den Kopf stellt. Das Spiel springt noch von einem zum nächsten Thema und ist situationsabhängig. So zieht sich gleichsam eine »Spielspur« der benutzten Materialien durch die Gruppe. Die Kinder zum Aufräumen ihrer Sachen aufzufordern, würde sie nur aus ihrem Tun heraus reißen. So ordne ich die Dinge ein wenig, damit die Materialien anderen Kindern zu Verfügung stehen und ein neues Spiel sich entwickeln kann.

Mit dem Ende des fünften Lebensjahres kommt die »berühmte Langeweile« der Vorschulkinder auf. Sie kommen lustlos morgens in den Kindergarten, sitzen gelangweilt herum. Sie können nicht mehr unmittelbar in das Spiel der anderen Kinder eintauchen, kritisieren viel und finden alles »blöd«. Das Kind erlebt das erste Mal eine Konfrontation mit sich selbst, im Gegensatz zu der Trotzphase um das dritte Lebensjahr, in der sich das Kind an seiner Umwelt stoßen muss. Nicht Ablenkung und Beschäftigung sind das richtige Mittel für das Kind, sondern nun gilt es, diese Situation auszuhalten und abzuwarten, bis das Kind aus sich heraus wieder aktiv wird.

Nach dieser Phase, die sich oft auch mit dem Zahnwechsel und dem Gestaltwandel des Kindes ankündigt, beginnt ein intensives Rollenspiel. Morgens kommt das Kind mit konkreten Spielvorstellungen in die Gruppe, verteilt die Rollen, inszeniert und leitet das gesamte Spiel. Nun äußert sich das Kind folgendermaßen: »Wir tun heute so, als ob wir Vater und Mutter sind, auf der Terrasse sitzen und dann kommt der Räuber …« Es könnte sich die Frage stellen, warum wir die Kinder nicht zum Spielen anleiten wollen. Ein häufig zu hörendes Argument für die Anleitung ist, die Kinder können nicht mehr spielen. Die Erzieher müssen sie anleiten, damit sich ein »vernünftiges« Spiel entwickeln kann. »Nun, spiel’ doch mal richtig«, ist dann eine häufige Redewendung.
Eine andere praktizierte Methode ist jene, dass die Erzieherin mit in das Spiel geht. Die Häuser werden nach vorgeschriebener Weise gebaut und Besuche von Haus zu Haus gemacht. Die Erzieherin begibt sich in die Rolle der Kinder und inszeniert von dieser Ebene aus das Spiel. Doch hat der Erwachsene die Berechtigung, derart in das Spiel der Kinder einzugreifen, ihren Freiraum zu beschränken und sie sozusagen zu »bespielen.«?

Das Spiel der Kinder ist nicht zweckorientiert. Es spielt immer das, was ihm entgegen kommt. Es greift Themen aus seiner unmittelbaren Umgebung, seiner Familie auf und spielt Erlebnisse, Geschichten, Bilder usw. nach. Haben die Kinder morgens auf dem Weg zum Kindergarten einen Unfall erlebt, so wird dieses Erlebnis unmittelbar im Spiel ver- und aufgearbeitet. Und das ist ja auch gut so!

Die Aufgabe des Erziehers
Sollten wir nicht in der Rolle des Erziehers das Kind zu einem wirklich freien Spiel anregen, statt das freie Element im Spiel zu unterdrücken aus Sorge, die Kinder könnten uns im Freispiel entgleiten?
Worin aber kann die Aufgabe des Erziehers liegen? Wie kann ein freies Spiel entstehen und auch begleitet werden?
Zunächst sind erst einmal die äußeren Bedingungen für ein Spiel zu schaffen. Das heißt, es muss ausreichend Raum zur Verfügung stehen und Rückzugsecken vorhanden sein. Die Spielmaterialien sollten multifunktionell sein, also Spielständer, Tücher, Bänder, Sandsäcke, Kissen, Bauhölzer usw. Außerdem muss im Tagesablauf dem freien Spiel ausreichend Zeit gegeben werden. Denn unter Zeitdruck lässt sich nicht spielen. Kaum sind die Kinder im Spiel, werden sie schon wieder herausgerissen. Umgekehrt verhält es sich mit einem in die Länge gezogenen Spiel, das verliert Spannung, und die Aufgabe des Erziehers liegt darin, den richtigen Moment des Aufräumens abzuspüren. Dieser ergibt sich aus der Tätigkeit des Erwachsenen, der im Hintergrund das Spiel begleitet. Seine Aufgabe liegt nicht darin, sich permanent in das Spiel einzumischen, sondern seiner Tätigkeit mit Ernsthaftigkeit nachzugehen, diese mit Lust und Freude zu erfüllen, um hieraus die rechte Atmosphäre und Stimmung zum Spiel entstehen zu lassen. So gilt es nicht irgendeiner Beschäftigung nachzugehen, sondern als Erzieher soll ich mit Leib und Seele bei meiner Tätigkeit sein. Je freudiger ich beim Putzen, Bügeln, Kuchenbacken und der Gartenarbeit bin, desto ausgeglichener und intensiver können die Kinder spielen. Je stärker wir uns mit einer sinnvollen Tätigkeit verbinden, sei sie noch so einfach und alltäglich, wirken wir als Vorbild auf die Kinder.
Das bedeutet aber nicht, dass ich selbstvergessen meiner Arbeit nachgehe und nicht wahrnehme, was um mich herum geschieht. Gleichsam wie mit unsichtbaren Fühlern muss ich das Spiel aus dem Hintergrund begleiten und lauschen, was mir von den Kindern entgegenkommt. So ist es nicht nur spannend, sondern auch aufschlussreich in der täglichen Nachbesprechung mit den Mitarbeitern auf das morgendliche Spiel zu sehen und dessen Entwicklung im Bewusstsein zu haben.
Ebenso wie die Zeit einen Rahmen gibt, leben ja in jeder Gruppe bestimmte Regeln und Gewohnheiten, die den Kindern soziales Lernen ermöglichen. So ist es durchaus sinnvoll zu fragen, ob ich mitspielen darf oder ob ich mir diesen oder jenen Gegenstand ausleihen darf, wenn er gerade bei anderen in Gebrauch ist. Nicht alle Meinungsverschiedenheiten klären sich unter den Kindern friedlich. Sie müssen verhandeln, streiten und aus Zorn manchmal weinen. So sehr solche Situationen verleiten können, schnell einzugreifen, so sehr gilt es auszuhalten und abzuwarten, ob es den Kindern gelingt, die Streitigkeit unter sich aufzulösen. Gelingt uns all dies, bereiten wir für die Kinder eine Atmosphäre, die es ihnen erlaubt, aus ihren ureigensten Impulsen in einem freien Spiel tätig zu werden.

Zur Autorin:
Marie-Luise Compani, Jahrgang 1954, drei Kinder, Ausbildung zur Krankenschwester, Waldorferzieherin, war Dozentin am Waldorfkindergartenseminar in Stuttgart, Kontaktstudium Führung an der Universität Karlsruhe, Geschäftsführung einer Krippe in Hessen

Steiner, Rudolf: Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft, GA 34,

Lucifer-Gnosis, S. 309 ff. »Zu ihr gehört nicht etwa, was materiell um das Kind herum vorgeht, sondern alles, was sich in des Kindes Umgebung abspielt, was von seinen Sinnen wahrgenommen werden kann, was vom physischen Raum auf seine Geisteskräfte wirken kann.«, in: GA 34, Lucifer-Gnosis, S. 324

Im Jahresgarten

Löwenzahn

Lichtlein auf der Wiese blas‘ ich alle aus,
und es fliegen Sternchen in die Welt hinaus,
schweben in der Sonne, schweben auf und nieder.
Nächstes Jahr zur Frühlingszeit, gibt es neue Lichtlein wieder.
Elise Vogel (1883-1952)
Aus dem „Kalendarium für Landleut“

 

Gänseblümchen

Gänseblümchen in dem Garten
können kaum die Zeit erwarten,
bis der Winter ist vorbei
und vom Schnee der Rasen frei.

Strecken ihre roten Näschen
halb erfroren durch die Gräschen.
Liebe Blümchen, lasst euch sagen:
nachts tut um die Spitzenkragen!
Autor unbekannt

Unsere Kinder lieben das Gänseblümlein sehr und flechten daraus schöne Kränze, und schmücken gerne mit ihnen ihre Köpchen. Außerdem, dem Vorksmund nach: Bei Kindern stoppt das Gänseblümchen als Wiesenpflaster alle Tränen.

 

Veilchen

Das Eis zergeht, der Schnee zerrinnt,
dann grünt es über ein Weilchen;
und leise singt der laue Wind:
Wacht auf, wacht auf, ihr Veilchen!
Emanuel Geibel (1815-1884)
Digitale Sammlung Ernst Giger

Zum Tanze

Kettenspiel für die Kinder

„Dreimal um das Gässchen, ich weiß nicht wer da floh.
Das war ein schönes Mädchen, und es sprach so:
Komm du liebes Kindelein, fass mich doch am Schleier.
Und wenn der Schleier reisen soll, da falln wir alle um.“

Spielweise:
Ein Kind geht von außen um den Kreis und ruft ein anderes Kind. Das Kind hängt sich am Kleidersaum des Führkindes an und sie wandern um den Kreis herum.
In dieser Weise wird weiter gespielt, bis der Kreis aufgelöst ist und der Schleier fertig ist.
Zum Schluss fallen alle um!

Volksgut aus „Schöne alte Singspiele“ Reprint von 1922, Gondrom Verlag

 

Kniereitervers

Troß, troß trill!
Der Bauer hat ein Füllen.
Das Füllen will nicht laufen,
der Bauer will’s verkaufen.
Das Füllen läuft im Trab
und wirft den Reiter ab“

Achim von Arnim und Clemens Brentano (1781 – 1831) „Des Knaben Wunderhorn“
https://www.volksliederarchiv.de

Pädagogisch Wertvolles für die Erziehungspraxis

Weben

Wussten Sie schon, dass die Hände bildend auf das Denken wirken? Dass die Fingerfertigkeit und elastisches Denken zusammen hängen?
Wir kennen heute noch die Redensart „du spinnst ja“. Zu jemanden, der phantasiereich erzählt und spricht. Wenn der Redefluss stockt, sagt man auch: „ ich habe den Faden verloren“. Der „Rote Faden“ zeigt wiederum von folgerichtigem Zusammenhang.

Bei uns weben die Kinder. Der Webrahmen wird bespannt; es wird „eine Farbe gewebt“, „ein Faden gezogen“. Die Farben suchen sich die Kinder selbst aus. Sie lernen, die Wolle in das Webschifflein einzufädeln und arbeiten nach kurzer Zeit selbständig. Wir legen Wert darauf, dass die Kinder einander helfen, wenn es Probleme gibt.

Das rhythmische Zusammenspiel von Augen und Händen bei der Arbeit, wirkt beim Weben beruhigend und harmonisierend. Die motorischen Fähigkeiten und das Selbstwertgefühl werden gefördert.
Die Entwicklung des Denkens beim Kind, wird unterstützt und es wächst aus der handgreiflichen Tätigkeit. Ein handelndes Hineinarbeiten in die Zusammenhänge und Eigenschaften der dinglichen Welt ist Grundlage dieser Welterfahrung. Weben als Urform des Handwerkens vermitteln diesbezüglich Basiserlebnisse von Verknüpfung, Verwobenheit, Vernetzung, Verflechtung…So ist die Welt.

Gerade durch das Weben (und auch Kordeln) gewinnt das Kind das notwendige Fingerspitzengefühl. Das Erleben, dass die eine Hand der anderen feinfühlend zuarbeiten muss, damit das Fadenwerk gelingt.
Also ist das Weben nicht nur eine heilsame Beschäftigung, sondern es ist für das lebendige, bewegliche Denken wichtig. Damit die Kinder später „den roten Faden nicht verlieren“.

A.Muszer

 

Tischsprüche

Erde, die uns dies gebracht,
Sonne die es reif gemacht:
Liebe Sonne, liebe Erde,
Euer nie vergessen werde.
Christian Morgenstern (1871 – 1914)

 

Das Brot ernährt dich nicht:
Was dich im Brote speist,
Ist Gottes ew’ges Wort,
Ist Leben und ist Geist.
Angelus Silesius (1624 – 1677)

 

Bei jedem Bissen Brot
denk an der Sonne Rot
die Korn auf Körner hat erwärmt
und wachsen ließ aus Liebe.
Bei jedem Bissen Brot
denk an des Bruders Not,
der einsam sich am Hunger härmt
O du, den Gottes Segen wärmt –
geh, gib ihm – Brot und Liebe!
Herbert Hahn (1890 – 1970) Waldorflehrer

Eine Rosengeschichte

Als Gottvater mit Hilfe der Pflanzergeister die Pflanzen geschaffen hatte, kam in einer Nacht ein böser Engel zur Erde, um alles zu sehen, was auf der Erde entstanden war. Er kam dann zu einer Rose, die einen wunderschönen Duft um sich verbreitete.

„Ach, was für ein schrecklicher Duft“, dachte er, und er sprach zu der Rose: „Öffne dich und schaue mich an! Ich will Dir einen anderen, viel besseren Duft geben, wenn Du mich anschaust und hörst“.

Die Rose aber hielt die inneren Blätter ganz fest zusammen und öffnete sich nicht. Da nahm der böse Engel das Röslein mit seinen Krallen und versuchte es abzubrechen. Die Rose aber stand ganz fest und lies sich nicht zerbrechen. Der böse Engel musste zurück zur unteren Welt fliegen.

Am nächsten Morgen, als Gottvater die Wunden an dem Stengel der Rose sah, hieß er die Pflanzengeister sie heilen. Über jede Wunde wuchs ein Dorn heraus. Seit der Zeit hat die Rose ein Dorn als ein Zeichen, dass sie standhalten konnte. Wenn jemand sich an den Dornen weh tut, dann schmerzt es auch die Rose.

Von Lena Forsberg aus „Elternbrief“ 10/1990

Buchtipp

„Die Pflanzenmutter“ von Jakob Streich (23.09.1910 – 15.05.2009) Novalisverlag

Unsere Vorschulkinder bekommen dieses Buch jedes Jahr zu der „Blumenzeit“ vorgelesen.

Der einfühlsame Text erzählt, wie die Pflanzenmutter aus den Erdentiefen hoch steigt und all die Wesen weckt, die den Pflanzen die Lebenskräfte einhauchen. Die Geschichten wecken in den Kindern Liebe zur der Natur und erschließen ihnen den Zugang zu dem artistischen Denken.

Es regnet

Es regnet, Gott segnet

Regen, Regen Himmelssegen!
Bring uns Kühle, lösch den Staub
und erquicke Halm und Laub!
Labe meine Blümelein,
dass sie blühn im Sonnenschein!
Nimm dich auch des Bächlein an,
dass es wieder fließen kann!

Hoffmann von Fallersleben ( 2. April 1798 – 19. Januar 1874)

Ein Spiel – Wo die Blüten fröhlich tanzen

Viele Bäume stehen im Kreise.
Der Wind bewegt sie leise, ganz leise.
Dann kommt der Wind daher geflogen,
der hat die Bäume ganz sacht gebogen.
Sturmwind knickt auch die Bäume um,
die Blüten tanzen im Kreis herum…
Und ist der Sturmwind wieder fort,
stehen die Bäume am selben Ort!

Mit nachahmenden Bewegungen; sehr gut geeignet als „Willensübung“.
Wo die Blüten fröhlich tanzen, keiner darf den anderen anstoßen. Und dann plötzliches Stillstehen und Schweigen. Schön bei den Gartenfesten durchzuführen.

Mutter und Kind – Verse rund um das neue Leben

Wenn ein Geschwisterchen ankommt

Geht leise –
Es ist müd von der Reise!
Es kommt von weit her:
Vom Himmel übers Meer,
vom Meer den dunklen Weg ins Land,
bis es die kleine Wiege fand. –
Geht leise!
Paula Dehmel (1862 – 1918)

 

Für werdende Mütter

Von den Höhen wirkendes Geistgestirn
In dem Umkreis schaffende Sonnenmacht

Aus den Tiefen strebende Gottgewalt
Schenken dem Menschenkeime
Segnend, heilend, belebend
Des Leibes Tempelbau.

Aus frei waltendem Geisteslicht
In Liebe spendender Seelenkraft
Durch Treue geheiligten Opferwillen
Schafft der Mensch dem Menschenkinde
Des Leibes Nahrung
Der Seele Werden
Die Erdenzukunft dem Göttergeschöpf.

Welten opfern
Geister segnen
Ich-Wille wirket
Heil dem Geist-gesegneten
Wort-belebten
Gott-geborenen
Menschensohn.
Rudolf Steiner aus GA 40 Wahrspruchworte

 

Für die Mutter –

vor der Geburt

Und des Kindes Seele,
Sie sei mir gegeben
Nach Eurem Willen
Aus den geistigen Welten.

Nach der Geburt

Und des Kindes Seele,
Sie sei von mir geleitet
Nach Eurem Willen
In die geistigen Welten.
R.Steiner aus GA 40 Wahrspruchworte

 

Zu sprechen von der Mutter für das Kind

In Dich ströme Licht, das Dich ergreifen kann.
Ich begleite seine Strahlen mit meiner Liebe Wärme,
Ich denke mit meines Denkens besten Frohgedanken
An Deines Herzens Regungen.
Sie sollen Dich stärken,
Sie sollen Dich tragen,
Sie sollen Dich klären —Ich möchte sammeln in Deinen Lebensschritten
Meine Frohgedanken,
Dass sie sich verbinden Deinem Lebenswillen
Und er in Stärke sich finde in aller Welt
Immer mehr durch sich selbst.
R.Steiner aus GA 40 Wahrspruchworte

 

Zusammengestellt Aleksa Muszer

Wie wird man Waldorferzieher? Innere Einstimmung

Wie wird man Waldorferzieher? Ist das nicht schwer? Wird in einem freien Kindergarten nicht zu viel von dem Erzieher verlangt? Putzen müsst ihr auch?! Und das ganze Basteln, gehört das dazu? Sieben bis acht Elternabende im Jahr?! Wie ist das zu schaffen?
Und bei manchem schwingt noch die Frage mit: Zu was muss ich mich verpflichten? Ist die Bindung an spezifische philosophisch – anthropologische und pädagogische Auffassungen nötig? Ist das in dieser Zeit überhaupt noch modern?! O je! Es klingt wahrlich nach einer Strapaze.

Ich würde meinen:
Das Sich- Verbinden mit dem Waldorfkindergarten ist eindeutig eine Lebensentscheidung. Die Erzieher, die diesen Schritt gingen und in den Waldorfkindergarten eintraten, sind auch geblieben. Die Ausnahmen sind selten.
Die Wege dieser Lebensentscheidung wurden auf zwei verschiedenen Wegen gegangen. So meine Beobachtung.

Der eine Weg: es war die Kunst. Die künstlerischen Kurse und Seminare (Sprachgestaltung, Eurythmie, Malen) gaben dazu nötige Antworten. Weckten auf. Die Schönheit der Waldorfpädagogik fand das Herz und ging durch das Tun in einem durch.

Der zweite Weg: es war der Weg des Bewusstseins, des Wissens. Also die Ausbildung. Der Kopf und das Erkennen spielten hier eine entscheidende Rolle.

Es ist ungeheuer wichtig, sorgfältig zu prüfen, ob man in den pädagogischen und sozialen Zielsetzungen des Waldorfskindergartens etwas berechtigtes sieht. Ob man zum Menschenbild der Anthroposophie ein bejahendes, wenn auch ganz freies Verhältnis finden kann. Denn ohne dies könnten Enttäuschungen eintreten: auf Seiten des neuen Erziehers, der in seinem Kollegium nicht heimisch wird, weil er sich falsche Vorstellungen von der Wirklichkeit einer solchen Gemeinschaft gemacht hat.

Die Worte Rudolf Steiners aus der „Philosophie der Freiheit“ wurden mir durch den Gesamtverlauf des pädagogischen Wirkens immer gewichtiger: „Was der freie Geist nötig hat, um seine Ideen zu verwirklichen, um sich durchzusetzen, ist die moralische Phantasie. Sie ist die Quelle für das Handeln des Freien Geistes.“ Arbeiten in einem Waldorfkindergarten ist eine Freie Tat.

ABENDGLOCKENGEBET

Das Schöne bewundern,
Das Wahre behüten,
Das Edle verehren,
Das Gute beschließen:
Es führet den Menschen
Im Leben zu Zielen,
Im Handeln zum Rechten,
Im Fühlen zum Frieden,
Im Denken zum Lichte;
Und lehrt ihn vertrauen
Auf göttliches Walten
In allem, was ist:
Im Weltenall,
Im Seelengrund.
Rudolf Steiner

Aleksa Muszer

Lieber Advent

Das Tor in die Adventszeit: Das Adventsgärtlein

In den Waldorfkindergärten feiern wir das Adventsgärtlein.
Dieser Brauch ist in der Arbeit mit z. T. schwer behinderten Kindern in der ersten anthroposophischen heilpädagogischen Einrichtung, auf dem Lauenstein, entstanden. Margarete Hardt hat 1923 auf der Weihnachtstagung der anthroposophischen Gesellschaft in Dornach Rudolf Steiner die Überlegungen zu einem solchen Fest vorgestellt. Er riet, um die Kinder das Geschehen mit dem ganzen Leib erleben zu lassen, es groß und begehbar auf dem Boden zu gestalten.
Das Labyrinth auf dem Boden der Kathedrale von Chartres ist ein Spiralweg und für den Grundriss seines Operndorf-Projektes in Afrika entschied sich auch Christoph Schlingensief für die Spirale als Grundform. In vielen alten Kulturen wurden Spiralen gegangen oder getanzt und in der darstellenden Kunst abgebildet. Kleine Kinder drehen sich gerne um sich selbst, kreisen spiralförmig um ihren eigenen Mittelpunkt und setzen mit Farbe schwungvolle Spiralen auf Papier.

Die Spirale ist das Urbild aller Lebensprozesse, aus der Weite in die Enge, zu mir selbst, hin zu einer lebendigen Lichtquelle. Auf goldenen Sternen warten kleine Apfelkerzen darauf, nacheinander am Christuslicht entzündet zu werden. Nach einem Moment der Ruhe geht der Weg zurück in die Weite, zurück in die Welt.

Leise ziehen die Kinder ein und setzen sich. Jedes Kind geht für sich den Spiralweg mit einem Apfellicht in der Hand. An der großen Kerze in der Mitte wird dann das Apfellicht entzündet und findet seinen Platz auf der Spirale. So erleuchten die Apfellichter mehr und mehr den Raum.

„Tief im Gärtlein strahlt es helle,
lasst uns gehn zur Lichtesquelle,
langsam gehen wir hinein.
In dem dunklen Moosesgarten
viele Kerzlein auf uns warten,
dass erstrahle goldner Schein.
Deine Flamme lichte Kerze,
strahle tief auch mir ins Herze,
dass darin es helle sei.
Nicht für mich will ich’s entzünden,
allen Menschen soll es künden:
Weihnacht, Weihnacht kommt herbei.“
(von Frau Johanna Ruß) 

Dieses langsame Wandern zum Licht wird von unserem Singen begleitet.

„In der dunklen Nacht,
ist ein Stern erwacht,
leuchtet hell am Himmelszelt,
schenkt sein Licht der ganzen Welt,
in der dunklen Nacht, ist ein Stern erwacht“

Sehr besonders gestimmt treten dann Kinder und Eltern den Heimweg an.

Aleksandra Muszer
(Text vielen Kollegen nachempfunden)

Adventliche Zeit

Über Sterne, über Sonnen
Leise geht Mariens schritt,
lauter gold und licht Wonnen
nimmt sie für ihr Kindlein mit.

Wenn Maria heilig schreitet,
von der Sterne Chor geschaut,
wird von ihrer Hand bereitet,
was zur Weihnacht niedertaut.

Karl Schubert

 

wiegala (als Lied wird es bei uns gesungen)

Wiegala. Wigala, Weihenacht,
engel haben das Kind gebracht,
alle Menschen werden es wiegen,
alle tierlein es fromm umschmiegen,
alle Blümlein es hold begrüssen,
alle stein’ es anbeten zu Füssen,
alle engel werden ihm dienen,
Cherubim und Seraphinen.

Schlafe nur, himmlisches Kindelein!
Mondensichel dein Wiegelein,
Sonnenglanz deines Bettchens Flaum,
Sterne singen in deinen Traum,
Kindlein und Mutter lächeln so lind. –
O erde, da Mutter! O Mensch, du Kind!

Herbert Hahn

 

 

Eine Vorweihnachtserzählung

Einige Zeit, bevor es Weihnachten werden sollte, ging die Mutter Maria durch den Himmel. Sie trug einen großen Korb in der Hand, der war leer, und es sah so aus, als müsste sie noch schnell etwas holen, denn ihr Schritt war eilig.
Und richtig, Maria ging zu den Sternen und sprach zu Ihnen: „Ihr lieben Sterne, schenkt mir ein paar von euren feinen Strahlen, damit meinem Kind ein Hemdchen daraus gewebt werden kann. Da schenkten ihr die Sterne die feinsten, weichsten und glitzerndsten Strahlen, und Maria legte sie denkend in ihren Korb.
Unter den großen Sternen war aber auch ein ganz kleines darunter, das war neugierig. Es wollte sehen, wohin die gute Mutter Maria mit ihren großen Korb gehen würde, und so schlüpfte es behände unter die Sternenfäden und versteckte sich darin.

Maria ging ihren Weg weiter zur Sonne und bat sie: „Liebe Sonne, webe mir aus den Sternenstrahlen ein Hemdchen für mein Kind. Es friert sonst auf der Erde, wenn es kein Himmelskleid hat.“
„Das will ich gerne tun“, sprach die Sonne und fing gleich an zu weben. Sie webte und webte behände und behutsam ein wunderhübsches Hemdchen ganz aus einem Stück und ohne die kleinste Naht.

Als der Mond ihr einmal zusah, da webte er auch seine guten Wünsche hinein, und es schimmerte silbern.
„Möge das Hemdchen aus Himmelslicht dem Kind auf der Erde Glück und Freude bringen“; dachte die Sonne und holte die letzten Fäden aus dem Korb.
Da war aber das kleine neugierige Sternchen darunter und – hast du’s nicht gesehen? – war es auch schon eingewebt im Hemdchen.
„Ja, und nun kann ich dich nicht mehr herausholen“, sprach die Sonne, als sie den Unterschied bemerkte. „Sonst hat das Hemdchen ja ein Loch! Wir wollen sehen, was die Mutter Maria dazu sagt“.
Als Maria nun kam und das kleine Hemdchen auseinanderfaltete, sah sie den kleinen Glitzerstern und sagte lächelnd: „Ach, wie schön! So weiß ja mein Kind immer, wo an seinem Hemdchen vorne ist!“

Sie bedankte sich bei der Sonne und machte sich auf den Weg zur Erde.

Elisabeth Vietor

 

Weihnachten

Markt und Straßen stehn verlassen, still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh ich durch die Gassen, alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen buntes Spielzeug fromm geschmückt.
Tausend Kindlein stehn und schauen, sind so wundervoll beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern bis hinaus ins freie Feld,
Hehres Glänzen, heilges Schauern! Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen, aus des Schnees Einsamkeit,
Steigts wie wunderbares Singen – O du gnadenreiche Zeit!

Joseph von Eichendorff, 1788 – 1857

30 Jahre Waldorfkindergarten Leonberg – Festakt in unserem Kindergarten / 19.01.2015 um 20:00 Uhr

„Wo euer Schatz ist, da wird euer Herz sein“ so der Philosoph Spinoza.

Schon 30 Jahre gibt es unseren Kindergarten! Und das musste natürlich gefeiert werden. Und daher veranstalteten wir: Ein Fest. Ein kleiner Festakt war es gewesen, mit anschließendem Buffet.

In den kurzen Ansprachen schilderten die Redner verschiedene Aspekte der pädagogischen Arbeit und den Werdegang unserer Einrichtung.

Herr Johannes Dengler von der Leonberger Stadt Verwaltung betonte die gute Zusammenarbeit und wies auf die bereichernde Note in der städtischer Kindergartenlandschaft.

Frau Gertrud Ringli vom Regionalkreis der IVW wies auf Vorbildfunktion der Erzieherinnen, die in der Waldorfpädagogik zentrale Rolle spielt.

Frau Birke Bähr vom Kindergartenvorstand verdeutlichte die Rolle der Eltern in einem Waldorfkindergarten. Die Eltern sollten der Pädagogik und dem pädagogischen Tun ein wirkliches Interesse entgegenbringen. Dieses Interesse der Eltern unterstütze die pädagogische Arbeit. Und das spürten die Kinder.

„..dann brauchen wir diese Schule, umwallt vom Elternverständnis wie von den Mauern einer Festung.“
R.Steiner GA 298 , 13.01.1921

Frau Aleksandra Muszer, die Leiterin des Kindergartens, hob die biografischen Rhythmen einer sozialen Gemeinschaft hervor. Wie wird ein Waldorfkindergarten geboren? Freie Tat aus innerem Bedürfnis. Ein geistiges Wesen, das dazu gehört.
Das ist der wirkliche, reale Aspekt einer Gruppierung. Jahrsiebte vom Kindergarten wurden angezeigt. Bildung von Wahlkarma.

Ein besonderer Dank richtete sich an die Gremien des Kindergartens, die das Fest tatkräftig mit organisiert hatten.

Notiz von Aleksa Muszer

Artikel aus der Leonberger Kreiszeitung

„Leonberg: Steiners Lehre wird seit 30 Jahren praktiziert“
Von Brunhilde Arnold 20.01.2015 – 10:00 Uhr

Leonberg – Im Schützenhaus Höfingen fing alles an: Dort traf sich am 25. Juli 1984 eine Handvoll Eltern, die sich für die Waldorf-Pädagogik nach Rudolf Steiner interessierte. Sie gründeten den Verein zur Förderung der Waldorf-Pädagogik im Altkreis Leonberg.

In den folgenden Jahren bauten die Vereinsaktiven einen Kindergarten auf, den es bis heute gibt. Nach mehreren Ortswechseln, Querelen im Vorstand und neuen Erzieherinnen hat die Einrichtung seit 1997 ihr Domizil in der Rutesheimer Straße, nahe beim Krankenhaus – und seit nunmehr acht Jahren mit Aleksandra Muszer dieselbe Erzieherin. Sie und ihre Kollegin Anastasia Maien sowie eine Praktikantin, betreuen die aktuell 22 Kinder im Vorschulalter.
Anfangs war die Einrichtung nicht erwünscht
Die Tochter der Mitbegründerin Gertrud Leippold ist heute 32 Jahre alt. Sie gehörte damals zu den ersten Kindern, die die neue Leonberger Einrichtung – die zunächst in Privaträumen in Eltingen untergebracht war – besuchte. „Wir haben dann in der Max-Eyth-Straße Büroräume gefunden, die umgebaut werden mussten“, erinnert sich Gertrud Leippold. Die neue Einrichtung sei zunächst von der Stadt gar nicht so gewünscht worden: Es gebe ja genügend Kindergärten. Doch irgendwann kam der damalige Bürgermeister Wolfgang Rücker zu Besuch. Seither wird die Einrichtung anerkannt und aktuell mit 119 000 Euro im Jahr finanziell unterstützt.

Der Leonberger Waldorf-Kindergarten ist eingebettet in ein Netz von 14 ähnlichen Einrichtungen im „Regionalkreis Stuttgart und Umgebung“. In Baden-Württemberg sind es etwa 150, wie Gertrud Ringli, die Fachberaterin der Vereinigung Waldorf-Kindergärten, erläutert. Sie unterstützt die Erzieherinnen in konkreten pädagogischen Fragen. Der Rhythmus in allem, was man tut, ist ein wesentliches Element der anthroposophischen Erziehung nach Rudolf Steiner. Das gelte sowohl für jeden einzelnen Tag, als auch für einen Wochenablauf. Sogar auf die gemeinsam vorbereiteten Gerichte wirkt sich das aus. So gibt es in Leonberg montags immer Milchreis mit Apfelmus und Zimtzucker, dienstags ist Drei-Brot-Tag mit Obst und Gemüse. Die Kindergärtnerinnen kochen, die Kleinen können mitmachen. „Die Erzieherinnen sind zu jeder Zeit Vorbild, Kinder sollen alles nachahmen können“, sagt Ringli.
Eltern werden achtmal im Jahr informiert
Acht Mal jährlich gibt es einen Elternabend. „Aber“, so Gertrud Ringli, „wir sind kein Eltern-, sondern ein Kindergarten.“

Die Eltern allerdings sind die Träger der Vereinsarbeit. 48 Mitglieder hat die Gruppe – vieles wird ehrenamtlich gemanagt, auch die Finanzen. Zur Vorbereitung auf den Schulbesuch ist die Waldorfschule am Kräherwald in Stuttgart ebenso Kooperationspartner der Einrichtung wie die Leonberger Spitalschule, erklärt Vorstandsmitglied Kerstin Schwenk.

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.leonberg-steiners-lehre-wird-seit-30-jahren-praktiziert.c7f8f2f0-805b-463c-b6ae-8310ede295d0.html