Orientierungsplan

Der Orientierungsplan des Landes Baden-Württemberg gliedert sich in 8 Bildungs- und Entwicklungsfelder und konkretisiert dadurch den Bildungs- und Erziehungsauftrag der Kindertageseinrichtungen. Alle Bildungs- und Entwicklungsfelder sind eng miteinander verknüpft und

sind für die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder von Geburt an prägend.

  • Kinder sind ja von Anfang an lernfreudig und lernbereit. Ihre Entwicklungsfenster sind gerade in den ersten Kindheitsjahren besonders weit offen um Neues aufzunehmen. Und gerade diese in der Kindheit erworbenen und später gefestigten Kompetenzen versetzen die späteren Jugendlichen und Erwachsenen in die Lage, die Leistungsanforderungen des Lebens gut zu meistern.
  • Die Basiskompetenzen beziehen sich auf die sogenanten Entwicklungsfelder . ( Orientierungsplan BW) in denen sie sich entwickeln sollen – nämlich:
  1. Körper und Lebensweise
  • Im Orientierungsplan: Körperbewusstsein, Bewegung, Gesundheit, Ernährung und Wohlbefinden.
  • Im Waldorfkindergarten:
    • Grobmotorik: Tägliche Bewegung im Freien (Garten, Waldwochen), Reigen (rhythmische Bewegungsspiele) und Klettern.
    • Feinmotorik: Handwerkliche Tätigkeiten wie Schnitzen, Kneten mit echtem Bienenwachs, Backen, Nähen und Weben, rhythmische Spiele, Reigen.
    • Gesundheit: Biologisch-vollwertiges, frisch zubereitetes Essen; feste Ruhephasen, tägliches Freispiel im Garten, Spaziergänge.
  1. Wahrnehmen und Denken
  • Im Orientierungsplan: Ausdifferenzierung aller Sinne, mathematisches und naturwissenschaftliches Grundverständnis, Welt entdecken.
  • Im Waldorfkindergarten:
    • Pflege der 12 Sinne: (nach Rudolf Steiner, v.a. die Basissinne: Tastsinn, Lebenssinn, Eigenbewegungssinn, Gleichgewichtssinn).
    • Erfahrung statt Abstraktion: Verzicht auf frühe Verschulung oder digitale Medien. Mathematische Grunderfahrungen (Mengen, Gewichte, Geometrie) geschehen ganz praktisch beim Backen, beim Sortieren von Naturmaterialien (Kastanien, Hölzer) oder beim rhythmischen Abzählen.
  1. Sprache und Kommunikation
  • Im Orientierungsplan: Sprachentwicklung, nonverbale Kommunikation, Dialogfähigkeit, „SprachFit“.
  • Im Waldorfkindergarten:
    • Sprachvorbild: Die Erzieherinnen pflegen eine bewusste, bildhafte und klare Sprache.
    • Literacy im Kreis: Tägliche Pflege des Wortschatzes durch Märchenerzählen (im freien Wortlaut), Puppenspiele, Verse, Reime und Fingerspiele. Keine Reizüberflutung durch Medien.
  1. Soziale Entwicklung & Emotion und Motivation
  • Im Orientierungsplan: Beziehungsgestaltung, Empathie, Konfliktlösung, Identitätsbildung, Resilienz.
  • Im Waldorfkindergarten:
    • Altersmischung: Kinder von 3 bis 6 Jahren lernen voneinander wie in einer Großfamilie. Ältere helfen Jüngeren (Empathie/Verantwortung).
    • Freispiel: Das freie, ungelenkte Spiel mit unstrukturiertem Naturmaterial (Holzklötze, Tücher) fordert soziale Absprachen, Kompromissbereitschaft und innere Motivationskraft.
  1. Kultur, Werte, Religion
  • Im Orientierungsplan: Sinnfindung, Toleranz, Werteorientierung, religiöse und kulturelle Feste.
  • Im Waldorfkindergarten:
    • Jahreskreisfeste: Der gesamte Kindergartenalltag ist christlich ausgerichtet. Es ist naturbezogen rhythmisiert (Erntedank, St. Martin/Laternenfest, Michaeli, Adventsgärtlein, Ostern).
    • Ehrfurcht und Vorbild: Die Haltung der Erzieher gegenüber der Natur und den Mitmenschen vermittelt tiefe moralische und spirituelle Werte durch Erleben und Nachahmen, nicht durch Belehrung.
  1. Ästhetische Bildung
  • Im Orientierungsplan: Kreativität, Kunst, Musik, bildnerisches Gestalten.
  • Im Waldorfkindergarten:
    • Farben & Musik: Regelmäßiges Malen mit Aquarellfarben (Nass-in-Nass-Technik), Zeichnen mit Stockmar-Wachlblöckchen. Pentatonische Musik (Lieder ohne harte Kontraste) und das Spielen einfacher Leiern begleiten den Tag.
    • Raumgestaltung: Sanfte, harmonische Wandfarben (oft Lasurtechnik in Rosa/Pfirsichtönen) und ausschließlich Spielzeug aus Naturmaterialien.
  1. Medienbildung
  • Im Orientierungsplan: (Neues eigenständiges Feld) Kritischer und kreativer Umgang mit Medien.
  • Im Waldorfkindergarten:
    • „Indirekte“ Medienkompetenz: In der Waldorf-Frühpädagogik gilt das Prinzip der Medienabstinenz im Kindergartenraum. Die reale Welt wird erst mit allen Sinnen vollumfänglich begriffen (Dreidimensionalität, Schwerkraft, Haptik), bevor virtuelle Räume betreten werden. Die Ausbildung gesunder Sinnesorgane gilt hier als das beste Fundament für spätere, gesunde Medienkompetenz.

Alle Bereiche finden im Kindergartenalltag ihren Platz und werden auf vielfältige Art und Weise mit den Kindern umgesetzt.